Gesungen wird auch bei Renovierungsarbeiten, bei denen die Vereinsmitglieder selbst anpacken, hier 1980.  - © Foto: Wiener Männergesang-Verein
Gesungen wird auch bei Renovierungsarbeiten, bei denen die Vereinsmitglieder selbst anpacken, hier 1980.  - © Foto: Wiener Männergesang-Verein

Ein einziger Raum steht dem Wiener Männergesang-Verein für sein Museum zur Verfügung. Platz ausnutzen, heißt also die Devise in den alten Gemäuern in der Bösendorferstraße 12, Wien 1. Trotz der wenigen Quadratmeter gibt es viel zu entdecken. Das Bild rechts etwa, das einen Auftritt der singenden Herren anno 1847 im Dornbacher Park (nun Neuwaldegger Park, Wien 17 und 18) zeigt.

Um die Hintergründe des Freiluftauftritts zu erfahren, lohnt sich ein Blick zurück. Den Startschuss gab Dr. August Schmidt, der Herausgeber der "Wiener Allgemeinen Musik-Zeitung". Im Gasthof "Zum goldenen Löwen" am Wiener Heumarkt mietete er den Salon im vierten Stock und hielt dort am 6. Oktober 1843 die erste Versammlung des Gesangvereins ab. Immerhin: 30 Personen zeigten Interesse an der Idee, eine Liedertafel nach deutschem Vorbild ins Leben zu rufen - ein Vorhaben, das die Behörden im vormärzlichen Wien argwöhnisch beäugten. "Halten Sie mir ja dieses Gift aus Deutschland nieder!", soll Fürst Metternich über die Chöre gesagt haben.

Doch Dr. Schmidt ließ sich nicht entmutigen. Unermüdlich bemühte sich der Gründer darum, seine Idee umzusetzen. Neben Auftritten ließ er Anzeigen schalten, die für Zuwachs sorgen sollten. Von Beginn an lud er auch Laien zu den musikalischen Treffen ein, wie aus einem Inserat in der "Wiener Zeitung" vom 28. November 1843 hervorgeht. In einem heute energisch klingenden Ton hieß es dort: Es werden "alle Sänger und Gesangs-Dilettanten hiermit eingeladen, bei den ... Männerchören gefälligst mitwirken zu wollen".

Unter freiem Himmel sang der Chor, um den strengen Auflagen, die das Versammlungsverbot brachte, zu entgehen. Tosender Applaus belohnte die Sänger. - © Bild: Wiener Männergesang-Verein
Unter freiem Himmel sang der Chor, um den strengen Auflagen, die das Versammlungsverbot brachte, zu entgehen. Tosender Applaus belohnte die Sänger. - © Bild: Wiener Männergesang-Verein

Konzert in der Hofburg

In den ersten Jahren seines Bestehens musste der noch nicht offizielle Verein um seine Existenz zittern. Ein langer Briefwechsel mit den zuständigen Ämtern um die Annahme der Statuten begann. Parallel dazu wuchs die Zahl der Mitglieder. 1844 sangen bereits 122 Männer in dem Verein, durchaus auch vor hohen Gästen. Das erste selbst organisierte Konzert fand am 13. Jänner 1845 im großen k.k. Redoutensaal in der Wiener Hofburg statt. Die Einnahmen, die nicht direkt für den Verein benötigt wurden, spendete man wohltätigen Zwecken.

Um die strengen Auflagen gegen Versammlungen zu umgehen, gab es auch Vorstellungen im Freien (siehe Bild). Bei einem dieser Auftritte war der Erzieher des Sohnes von Metternich zugegen und berichtete begeistert von dem Erlebnis. Kurze Zeit später erhielt Dr. Schmidt eine Einladung in die Villa Metternich. In der Folge gelang es, nicht nur die Gunst des Fürsten zu gewinnen, sondern die Männer sollten auch bei einem Fest für die Mutter der Königin Viktoria von England auftreten.