Seine Parteizugehörigkeit ist umstritten, aber Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst (SD) gilt als erwiesen. Diese Einrichtung fungierte als Nachrichtendienst innerhalb der Schutzstaffel (SS). Tüftlerin Schlesinger weiter: "Ob NSDAP-Mitglied oder nicht: Seine Schriften der ersten Hälfte der 1940er-Jahre zeugen davon, dass er dem NS-Regime ... zuarbeitete".

Andererseits blieb Winter auch seiner wissenschaftlichen Leidenschaft treu. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, und Mathilde Lewandowski, Payerbach: Er gab 1944 "Der Bolzanoprozess" heraus, ein Werk, das humanistische Werte hochhält.

Winter selbst zitiert rückblickend zur Klärung seines ambivalenten Verhaltens während des Krieges die Ratschläge des Physikers Max Planck an dessen Kollegen Werner Heisenberg aus 1933: "Sie können die Katastrophe nicht aufhalten und müssen, um überleben zu können, ... Kompromisse schließen. Aber Sie können versuchen, mit anderen zusammen Inseln des Bestandes zu bilden ... Das wird sicher sehr schwierig sein und nicht ohne Gefahren, und die Kompromisse, die eingegangen werden müssen, werden später mit Recht vorgehalten und vielleicht auch bestraft werden."

Klerikales Nachspiel

Nach 1945 konnte Winter als abtrünniger Priester im katholischen Österreich nicht Fuß fassen. Dr. Manfred Kremser, Wien 18: Er überzeugte "die Sowjets von seiner Bewunderung" für deren "Staatsideologie ... So nahm er 1947 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität in Halle an der Saale an. Gleichzeitig konnte er seine österreichische Staatsbürgerschaft behalten." Dadurch war er vor direktem Zugriff staatlicher Instanzen geschützt und genoss auch nach dem Mauerbau 1961 Reisefreiheit. Volkmar Mitterhuber, Baden, merkt dazu an: Winter wandte sich vor allem der militärischen und wirtschaftlichen engen Zusammenarbeit sozialistischer Staaten zu.

OStR Mag. Tania Koller, Wien 15, fand ein Zitat aus Winters Manuskript "Wie ich die Zweite Republik Österreich erlebte" zu seiner Übersiedelung in die Sowjetzone Deutschlands: "Ein neues sozialistisches Weltbild tat sich mir nun in Wirklichkeit voll auf, das ich, durch den Meister meines Denkens Bolzano angeregt, bisher doch nur geahnt hatte. Ich hatte wieder festen Boden unter den Füßen und war dem Los, das mir die klerikalen "Maßgebenden" in Österreich bereiten wollten, entronnen."

Die Ängste der Ketzer

In Deutschland begann für den unermüdlichen Forscher die wissenschaftlich intensivste Phase seines Lebens. Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, hält fest, dass Winter an der Universität in Halle bald Karriere machte: "Im Oktober 1948 wurde er ... ihr Rektor." Ein Jahr später, so Mag. Susanne El Mahdi, Wien 9, erschien sein Werk "Leben und geistige Entwicklung des Sozialethikers und Mathematikers Bernard Bolzano (1781-1848)".