Wir Wiener Wäscherweiber wollen weiße Wäsche waschen, wenn wir wüßten, wo warmes, weiches Wasser wäre!" Mit diesem Zungenbrecher stimmt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, die Gemeine auf das Thema der Zusatzorchidee der Nro. 386 rund um einen legendären Berufsstand ein. Seine Vertreterinnen gehören zum festen Inventar von Alt-Wien oder was man sich darunter vorstellt. Mit charakteristischer Tracht, den Korb mit sauberer Wäsche auf dem Rücken, prangen sie auch auf einer historischen Tarockkarte, die der Tüftler in Kopie schickte (Abb. r. u.). Wie Herbert Beer, Wolfpassing, notiert, sagte man ihnen, nicht ganz zu Unrecht, ein "geschliffenes "Göscherl"" nach. Die Realität war freilich hart. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: "Wäschermädel lebten und arbeiteten unter schwersten und elenden Bedingungen in den sogenannten Waschburgen . . . in der Nähe der Flüsse Wien oder Als".

Mag. Robert Lamberger, Wien 4: An der heutigen Adresse Sobieskigasse 1- 1b, Wien 9, befand sich einst "ein einstöckiges Gebäude am Sechsschimmelberg", das von "Wäscherleuten bewohnt" war. Der Zeitreisende erwähnt auch ein "Waschhaus" am Währinger Bach. Es "stand in der Nähe der Sechsschimmelgasse", von der ein Teil damals Waschstadelgasse hieß.

Um den Sechsschimmelberg bzw. den Sobieskiplatz mit dem "Auslaufbrunnen der Kaiser-Ferdinand-Wasserleitung" war geradezu eine "Waschregion", so Dr. Manfred Kremser, Wien 18, der zur dortigen Waschburg ergänzt: Mit ihren "winkeligen düsteren Gängen und Räumen wie Verliesen" hieß sie "im Volksmund auch Ritterburg".

Wer Lumpen sammelte , starb meist jung. (Bild: NY um 1880/Archiv)
Wer Lumpen sammelte , starb meist jung. (Bild: NY um 1880/Archiv)

Zum Ausdruck "Klatsch und Tratsch", der oft mit Wäscherinnen assoziiert wird, notiert Prof. Brigitte Sokop, Wien 17: "Klatschen ist lautmalerisch: auf Nasses einschlagen. Die Waschfrauen . . . bearbeiteten ihre Wäsche mit Steinen und Brettern, die sie . . . auf die nasse Wäsche "klatschten"."

Hände wund, Augen rot

Spielkarte mit "Wiener Typen ". Bildertipp: Dr. Karl Beck (danke!)
Spielkarte mit "Wiener Typen ". Bildertipp: Dr. Karl Beck (danke!)

Einen Artikel von Reingard Witzmann aus dem Ausstellungskatalog "Alt-Wien" (Wien Museum 2004) zitiert Ing. Helmut Penz, Hohenau/March; darin wird den Wäscherinnen eine "eigenständige kulturelle Identität" bescheinigt, "die besonders in Gesang, Tanz und Witz zur Geltung kam." Das "war Teil ihrer Überlebensstrategie und half, die extremen körperlichen Belastungen zu ertragen".

Auf diese Stelle aus Witzmanns Text bezieht sich auch Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, der glaubt, dass sogar dies "noch geschönt" ist. Ein drastisches Bild der (später häufig tageweise in Haushalten beschäftigten) Wäscherinnen zeichnet 1914 das "Vereinsblatt", Organ des sozialdemokratischen Vereins der Heim- und Hausarbeiterinnen, auf das der Zeitreisende stieß: Um sechs Uhr früh beginnt die Arbeit "tief im Erdgeschoß, von Licht und Luft abgeschlossen, dort steht das Weib und reibt die Hände wund, beizender Soda- und Seifendampf machen ihr die Augen rot, . . . der Rücken schmerzt, 14 bis 16 Stunden währt der Arbeits"tag"".