Wie Hohn klingen da die 1882 im "Illustrirten Extrablatt" erschienenen Zeilen zu Wäscherinnen, die Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, fanden: "Reinlichkeit und Fleiß sind ihre Zierden, das Frühaufstehen ihre Freude".

Schmutzige Geschäfte

Vom sauberen Wäschermädel-Klischee nun zu einem Beruf, der über keinerlei Ansehen verfügte: Die Lumpensammler. Elisabeth Somogyi, Wien 11, wirft einen Blick auf die armseligen Gestalten: "Meist waren Kleidung und Körper schmutzig und staubig, auf einem Karren zogen sie die oft stinkenden Lumpen." Nicht selten wurden sie "beschimpft, als kriminell betrachtet". Auch das Wort "Haderlump" rührt daher.

Nach dem Sammeln, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, "wurde alles auf dem Lumpenboden ausgeschüttet und . . . von Frauen und Kindern sortiert" sowie "in kleine Stücke" geschnitten. - "Und wofür das Ganze?", fragt Dr. Alfred Komaz, Wien 19, und antwortet gleich: "Modern ausgedrückt für das Recycling zu Papier . . . Einige (zynische) Wissenschafter vertraten sogar die These, dass die Reformation nur durch das Sammeln von Lumpen . . . erfolgreich sein konnte, da es andernfalls an Papier zum massenhaften Druck der "Lutherbibel" . . . gemangelt hätte."

Wie man die alten Fetzen bearbeitet, schildert Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: Zuerst werden die "Lumpen zu Fasern . . . zerstampft", der Brei landet "in der "Butte"". Daraus wird "in einem Schöpfrahmen mit Sieb der Papierbrei geschöpft . . .; das "Büttenpapier" wird danach "gegautscht", d.h. auf einem Trockenfilz mit leichtem Druck aufgelegt. Danach . . . entwässert und zum Trocknen aufgehängt." Ein Tipp von Dkfm. Wöber: Im niederösterreichischen "Bad Großpertholz 76 im Waldviertel besteht heute noch eine Papiermühle, die in alter Tradition . . . Büttenpapier herstellt."

"Die Lebenserwartung" der Männer und Frauen, die sich mit Lumpensammeln über Wasser hielten, so Maria Thiel, Breitenfurt, war "nicht hoch". Sie kämpften mit "Infektionskrankheiten wie Blattern, Krätze, Rotlauf, Typhus oder Cholera". Besonders häufig war der "als Hadernkrankheit bezeichnete . . . Milzbrand", v.a. Lungenmilzbrand. Er führt, so Brigitte Schlesinger, Wien 12, "mit starkem Hustenreiz, blutigem Auswurf und Atemnot" meist nach kurzer Zeit zum Tod.

Kampf um die Hadern

Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, erwähnt den "italienischen Arzt Bernardino Ramazzini" (1633-1714), der sich "in seinem Handbuch über Krankheiten der Künstler und Handwerker" Lumpensammlern widmete. Gerhard Toifl, Wien 17, zitiert: ". . . was kann man sich mehr abscheulicheres denken, als einen von allem Unflat zusammen gesammelten Haufen von unsauberen Lumpen der Menschen, Weiber und Leichen."