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108 - Bewusst Single und schwanger

Yasmin fuhr nach Tschechien, um mithilfe einer Eizellen- und Samenspende schwanger zu werden, als sie Single war. Der richtige Mann zur richtigen Zeit sei einfach nie da gewesen, sagt sie. Sie betrachtet es als Luxus, dass sie sich das genetische Material aussuchen konnte und sich bei der Kindererziehung mit niemandem absprechen muss.

24 Min

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Yasmin wollte ein Kind – aber allein.
© Illustration: WZ. Bildquelle: Adobe Stock.

„Der Vorteil ist: Ich entscheide allein“, sagt Yasmin. „Der Fluch ist: Ich entscheide allein.“ Dennoch steht sie nach wie vor zu ihrer Entscheidung, mit knapp über 40 ein Kind per In-vitro-Fertilisation bekommen zu haben – und zwar als Single. Ihre Tochter ist heute 15 Monate alt.

Da in Österreich die Samenspende für alleinstehende Frauen verboten ist, hat sich Yasmin im Ausland behandeln lassen. Die Eizellenspende war zwar ursprünglich nicht geplant, letztendlich aber erfolgsversprechender, weil mit höherem Alter die Qualität der eigenen Eizellen schrumpft.

Ein Kind wie aus dem Katalog: Ist das nicht egoistisch? „Jeder Kinderwunsch ist egoistisch – egal, ob du Single bist oder ein Pärchen“, sagt dazu Yasmin in dieser Folge des WZ-Podcasts „Weiter gedacht“. Denn: „Kein Kind hat darum gebeten, in diese Welt gesetzt zu werden.“

Produziert von „hört hört!“.

Mit Yasmin ist auch ein Text in der WZ erschienen -> hier kannst du ihn lesen: Wie Yasmin als Single Mutter wurde

Yasmins Tochter ist heute 15 Monate alt.
Yasmins Tochter ist heute 15 Monate alt.
© Yasmin

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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Yasmin (43) hat ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium absolviert, arbeitet als Angestellte in Oberösterreich und lebt in Steyr. Sie ist bewusst Singlemutter und hat in Tschechien eine Eizellen- und Samenspende erhalten. Ihre Tochter ist jetzt 15 Monate alt. Yasmin ist derzeit in Pflegekarenz.
  • Marion Zeillinger ist diplomierte Sozialarbeiterin und Fachbereichsleiterin für Pflege und Adoption des gemeinnützigen Vereins Eltern für Kinder Österreich. Der Verein ist Lobby für Tagesmütter und Tagesväter, für Pflegefamilien und Adoptivfamilien und versteht sich als Interessenvertretung aller Kinder, die in Ersatzfamilien leben. Er erarbeitet unter anderem Ausbildungskonzepte und ist auch Dienstgeber für Pflegeeltern und Tageseltern.

Daten und Fakten

  • Im Jahr 2024 gab es insgesamt 2,507 Millionen Familien in Österreich. Darunter waren 244.700 (9,8 Prozent) alleinerziehende Mütter und 51.500 (2,1 Prozent) alleinerziehende Väter (Statistik Austria).
  • Die Eizellenspende ist in Österreich seit 2015 erlaubt. Die Spenderin von Eizellen bzw. der Spender von Samenzellen muss mindestens 18 Jahre alt sein. Vor dem Erreichen dieser Altersgrenze dürfen weder Eizellen noch Samen, die für dritte Personen verwendet werden sollen, entnommen werden. Eizellen, die für eine dritte Person verwendet werden sollen, dürfen nur vor dem 30. Geburtstag entnommen werden (oesterreich.gv.at).
  • In Österreich ist eine medizinisch unterstützte Fortpflanzung nur in einer Ehe, einer eingetragenen Partnerschaft oder einer Lebensgemeinschaft zulässig. Dem mit dem Samen oder den Eizellen einer dritten Person gezeugten Kind ist auf dessen Verlangen nach Vollendung des 14. Lebensjahres Einsicht in die Aufzeichnungen zu gewähren und daraus Auskunft zu erteilen. Zum Wohl des Kindes ist in medizinisch begründeten Ausnahmefällen der Person, die mit der gesetzlichen Vertretung für die Pflege und Erziehung betraut ist, Einsicht und Auskunft zu erteilen (Fortpflanzungsmedizingesetz).
  • In Österreich ist immer die Frau die Mutter, die das Kind geboren hat (Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch § 143).
  • Die Kosten einer Samenspende variieren je nach Land und Spermienqualität. Während in Spanien Spendersamen zwischen 500 Euro und 1.500 Euro kosten, ist der Kauf einer Spende aus Nordzypern schon ab 200 Euro möglich. Dagegen kosten die Spermien in Deutschland zwischen 2.000 bis 3.000 Euro. Gegebenenfalls kommen zu den Kosten der Samenspende noch die Kosten einer Insemination, IVF- oder ICSI-Behandlung hinzu, die ebenfalls variieren können. Der Preis für die Sameneinheit ist je nach Samenbank und Spenderkategorie unterschiedlich (Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland).
  • Durch den IVF-Fonds besteht in Österreich für Paare die Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung bei Kinderwunsch. Der Fonds übernimmt bis zu 70 Prozent der Kosten – die restlichen 30 Prozent müssen die Betroffenen selbst zahlen, können diese Ausgaben aber steuerlich absetzen. Voraussetzungen für die Förderung sind unter anderem: Die Frau muss unter 40 Jahre alt sein und der Mann unter 50, beide müssen krankenversichert sein und in einer gemeinsamen Partnerschaft leben.
  • Die Annahme eines Adoptivkindes kann durch ein Ehepaar, durch eine Einzelperson oder durch eingetragene Partner:innen erfolgen. Der Adoptivelternteil tritt an die Stelle des entsprechenden leiblichen Elternteils. Die Eignung der/des Annehmenden zur Aufnahme eines Adoptivkindes wird eingehend von der Jugendabteilung der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft, dem Magistrat und in Wien von der Kinder- und Jugendhilfe geprüft (oesterreich.gv.at).
  • Neben der Adoption gibt es die Möglichkeit, ein Kind für bestimmte oder unbestimmte Zeit in Pflege zu nehmen. Meist handelt es sich dabei um Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die nicht in ihrer eigenen Familie betreut werden können. Es wird unterschieden zwischen Krisenpflege für einen kurzen Zeitraum (z. B. bei familiären Problemen oder sozialen Notfällen) und Langzeitpflege, bei der ein Kind für einen längeren Zeitraum in Pflege genommen wird (oesterreich.gv.at). Die Langzeitpflege erfolge in den allermeisten Fällen bis zur Volljährigkeit, ergänzt Marion Zeillinger, Fachbereichsleiterin für Pflege und Adoption des Vereins Eltern für Kinder Österreich.
  • Auf dem Weg zum Pflegekind durchlaufen künftige Pflegeeltern eine Beurteilung der persönlichen Eignung sowie eine Vorbereitungsphase und bekommen unterschiedliche Unterstützungen (wien.gv.at).
  • Pflegeeltern erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung. Dieses Pflegekindergeld deckt die mit der Pflege und Erziehung verbundenen Kosten ab. Wiener Pflegeeltern können auf Wunsch beim Verein Eltern für Kinder Österreich angestellt werden (wien.gv.at; efk.at).
  • Im Jahr 2024 wurden 13.050 Kinder und Jugendliche im Rahmen der Vollen Erziehung in sozialpädagogischen Einrichtungen und bei Pflegepersonen betreut. Für 76 Kinder und Jugendliche wurde seitens der Kinder- und Jugendhilfe an Adoptionen mitgewirkt (Kinder- und Jugendhilfestatistik der Statistik Austria).
  • Wege zur Pflege oder Adoption laut Marion Zeillinger, Fachbereichsleiterin für Pflege und Adoption des Vereins Eltern für Kinder Österreich: 1. Vorbereitungskurs, 2. Eignungsbeurteilung durch die Kinder- und Jugendhilfe, 3. Wartezeit, 4. Vermittlung: Für jedes Kind werden die bestmöglichen Eltern ausgesucht.
  • Du bist aus Wien und interessierst dich für ein Adoptiv- oder Pflegekind? Informiere dich unter +43 1 4000 90770 oder unter der E-Mail-Adresse kanzlei-rap@ma11.wien.gv.at. Österreichweite Anlaufstellen findest du hier.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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