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086 - Mein Doppelleben zwischen Drogen und Vollzeitjob

Sein halbes Leben lang hat Norbert (60) illegale Drogen genommen darunter Haschisch, Kokain und Heroin. Seine Drogensuchterkrankung hat sein Leben zwar nicht zerstört, aber massiv beeinträchtigt. Einerseits häufte er massive Schulden an, andererseits leidet sein Körper bis heute an den gesundheitlichen Folgen. Trotzdem ist Norbert jetzt mit sich im Reinen. Nach etlichen Versuchen hatte er mit seiner Therapie Erfolg und konnte sich ein neues Leben aufbauen – mit Frau, Hund und ohne Drogen.

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um den intensiven Konsum von illegalen Substanzen.

24 Min

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Norbert konnte seine Drogenabhängigkeit lange verheimlichen.
© Illustration: WZ

In dieser Folge unseres WZ-Podcasts „Weiter gedacht“ spricht Norbert ganz offen darüber, wie er in die Abhängigkeit geraten ist, was die Drogensuchterkrankung mit seinem Leben und auch seinem Umfeld gemacht hat, und was ihm dabei geholfen hat, sie zu überwinden. Eine wichtige Rolle spielte dabei seine Familie, die ihn – entgegen der damals gängigen Empfehlung – nicht fallengelassen hat, sondern zu ihm gehalten hat. Und das, obwohl er ihr in seiner Drogenbeschaffungsnot Geld stahl und Familienvermögen verpändete.

Durch die Folge führt WZ-Host Mathias Ziegler, der das Gespräch mit Norbert geführt hat, gemeinsam mit WZ-Trainee Katharina Nieschalk.

Produziert von „hört hört!“.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner

Norbert, der seinen Nachnamen lieber nicht verraten will, weil in seinem Wohnumfeld die Drogensuchterkrankung stigmatisiert wird, begann als Jugendlicher mit dem Konsum von Haschisch. Irgendwann landete er bei Kokain und später bei Heroin, weil er ohne Drogen nicht mehr richtig funktionierte, wie er sagt – bis er nach jahrzehntelangem Drogenmissbrauch und mehreren gescheiterten Versuchen endgültig die Reißleine ziehen und eine erfolgreiche Therapie machen konnte. Ein wichtiger Faktor dabei war, sagt er heute, dass er bei der richtigen Ärztin landete. Und dass ihn seine Familie nie fallen ließ.

Daten und Fakten

Die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in Österreich ist Cannabis (auch bekannt als Haschisch, Marihuana, Dope, Gras), wobei der Konsum meist auf kurze Zeiträume beschränkt ist. Etwa ein Fünftel der Österreicher:innen (15 bis 64 Jahre) hat im Laufe des Lebens schon einmal Cannabis probiert, wobei die Lebenszeitprävalenz auf den niedrigsten Wert seit 1995 gesunken ist. Die Frage, ob sie es in den vergangenen 30 Tagen konsumiert haben, bejahten zuletzt 5 Prozent. Daten aus dem Drug-Checking und Sicherstellungen zeigen, dass Cannabis teilweise mit synthetischen Cannabinoiden versetzt wird, was große Gefahren birgt.

Der Konsum von Kokain in Österreich nimmt zu, wobei der Preis sinkt und die Reinheit steigt. Etwa 90.000 Österreicher:innen (1 Prozent der Gesamtbevölkerung) haben zumindest einmal im Leben gekokst. Im Behandlungsbereich steigt der Anteil der Personen mit Kokain als Hauptdroge leicht an.

Der risikoreiche Drogenkonsum wird aber hauptsächlich von Opioiden wie Heroin dominiert, oft in Kombination mit anderen Substanzen. Die meisten drogenspezifischen Behandlungen betreffen Opioid-Suchterkrankte, vorwiegend Männer über 25 Jahre in Ballungszentren. Schätzungen zufolge weisen 35.000 bis 40.000 Menschen in Österreich einen risikoreichen Konsum von Opioiden auf. Was hier zunimmt, sind Berichte über Rettungseinsätze bei Jugendlichen aufgrund von Drogenvergiftungen sowie über hochriskante und chaotische Konsummuster, insbesondere bei jungen Mädchen.

Die meisten verfügbaren Daten aus dem Drogenmonitoring deuten auf eine relativ stabile Drogensituation in Österreich hin. Dass die Zahl der Drogentoten steigt (2023 starben 256 Menschen durch eine Überdosis, davon drei Viertel Männer, das Durchschnittsalter lag bei 34 Jahren) könnte eine Folge der Corona-Pandemie sein: Neben der damit einhergehenden Einsamkeit waren auch die Unterstützungsangebote beeinträchtigt. Außerdem sind insbesondere ältere Drogensuchterkrankte grundsätzlich anfälliger für tödliche Erkrankungen. Und: Wenn die Substanzen immer reiner werden, steigt das Risiko für eine Überdosierung.

Im Vergleich dazu wurden im Jahr 2023 insgesamt 2.091 Todesfälle verzeichnet, die eine Folge von Alkoholkonsum waren, also einerseits verschiedene Erkrankungen und andererseits alkoholbedingte Unfälle. Das Sterberisiko ist hier bei Männern drei- bis viermal höher als bei Frauen. Sorgen macht den Suchtexpert:innen der Konsum der legalen Droge Alkohol: 60 Prozent der Erwachsenen in Österreich trinken laut eigenen Angaben regelmäßig (mehrmals im Monat) Bier, etwa 15 Prozent konsumieren Alkohol in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß (Männer: 19 Prozent, Frauen: 11 Prozent), wobei der größte Anteil in der Altersgruppe zwischen 40 und 70 Jahren liegt. Zwar geht der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum von Alkohol in Österreich bereits seit den 1970ern zurück, allerdings langsamer als in vielen anderen Ländern, wodurch Österreich im Ländervergleich ein absolutes Hochkonsumland bleibt. Unter den Jugendlichen trinkt jede:r Fünfte (20 Prozent) regelmäßig Alkohol oder hatte in den vergangenen 30 Tagen zumindest einen starken Rausch. 60 Prozent haben in diesem Zeitraum überhaupt Alkohol konsumiert. 9 Prozent der für eine europäische Studie befragten Schüler:innen erfüllen zumindest einen Indikator für einen risikobehafteten Alkoholkonsum, wobei Mädchen zwar etwa gleich oft trinken wie Burschen, aber in einem weniger intensiven Ausmaß und seltener risikobelastet. Langfristig ist der Alkoholkonsum übrigens rückläufig: Seit 2007 hat sich der Anteil der Jugendlichen, die noch nie Alkohol probiert haben, vervierfacht und der Anteil der Jugendlichen, die in den vergangenen 30 Tagen keinen Alkohol konsumiert haben, verdoppelt.

Die zweite große Volksdroge neben Alkohol ist Nikotin. Werden Zigaretten, E-Zigaretten, Nikotinbeutel, Shisha und Tabakerhitzer gemeinsam betrachtet, haben 57 Prozent der befragten Schüler:innen in Österreich in ihrem Leben schon mindestens einmal eines davon konsumiert, 37 Prozent in den vergangenen 30 Tagen, und 18 Prozent nutzen zumindest eines dieser Produkte täglich oder fast täglich. Bei den Erwachsenen raucht jede:r Fünfte (21 Prozent) täglich. Sorgen macht den Suchtexpert:innen hier das nach wie vor junge Einstiegsalter, insbesondere bei Mädchen, wo die täglichen Konsumraten bei den unter 13-Jährigen in den vergangenen Jahren gestiegen sind.

Was die Behandlung von Suchterkrankungen betrifft, so ist es heute State of the Art, sich nicht mehr ausschließlich am Ziel Abstinenz zu orientieren, sondern an einem individualisierten, schadensminimierenden Ansatz. Sprich: Es werden die gesamte Person und ihre Lebensumstände betrachtet. Und seit der Novelle des Suchtmittelgesetzes im Jahr 2008 gilt: „Therapie vor Strafe“. Sucht wird also als Krankheit behandelt und nicht primär als kriminelles Verhalten. Therapie und Aufklärung sollen Strafe ersetzen, wenn keine Gefährdung anderer vorliegt. Jede suchterkrankte Person in Österreich hat einen Anspruch auf eine entsprechende medizinische und psychotherapeutische Behandlung, für die in der Regel die gesetzliche Krankenversicherung aufkommt. Wenn sie ein Vertragsarzt, ein Krankenhaus oder eine andere Kasseneinrichtungen durchführt, bezahlt die Kasse 100 Prozent, ansonsten (etwa bei Wahlärzt:innen) gibt es 80 Prozent Kostenersatz.

Quellen

Das Thema in der WZ


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