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096 - Tausche Hörsaal gegen Nordpol

Weder die Kälte, die auf der Haut brennt, noch eine Eisbärfamilie hielten Jonathan Fipper davon ab, ein Studienpraktikum auf einem norwegischen Gletscher zu absolvieren. Ganz im Gegenteil: Es zog ihn weiter in die Arktis und ins ewige Eis, das allerdings gar nicht so ewig sein könnte, wie man vielleicht denkt.

23 Min

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Die gefühlt unendliche Weite auf dem Gletscher hat Jonathan Fipper fasziniert.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Jonathan Fipper.

Als Jonathan Fipper zum ersten Mal das Eis des norwegischen Gletschers Hardangerjøkulen unter seinen Füßen spürte, wusste er: Es werden weitere Gletscher folgen. Das war vor einigen Jahren im Zuge eines Studienpraktikums in Oslo. Mittlerweile hat er drei bis vier Wochen in Nordost-Grönland verbracht, um Feldforschung für seine Masterarbeit zum Thema Klimawandel zu betreiben. Anschließend fuhr er für drei Monate nach Spitzbergen in der Arktis, unweit des Nordpols. Die Kälte mit Temperaturen von minus 20 bis minus 30 Grad Celsius sei eine der größten Herausforderungen gewesen, sagt der 26-Jährige, der gerade sein Masterstudium in Physischer Geographie an der Universität Graz abschließt, in dieser Folge des WZ-Podcasts „Weiter gedacht“. „Und, dass es sehr einsam sein kann.“

Dennoch möchte er auch nach dem Master wieder auf einen Gletscher, um auf diesem Gebiet weiterzuforschen, sagt Jonathan zu WZ-Host Petra Tempfer, die gemeinsam mit Mathias Ziegler durch die Folge führt. „Mir ist klar geworden, dass gerade die Arktis sehr sensibel auf den Klimawandel reagiert – und, welchen Einfluss das auf das Weltklima hat.“

Produziert von „hört hört!“.

Jonathan Fipper während der Podcast-Aufnahme per Zoom aus Graz.
Jonathan Fipper während der Podcast-Aufnahme per Zoom aus Graz.
© Petra Tempfer
Geschützt gegen die Kälte von minus 20 bis minus 30 Grad Celsius.
Geschützt gegen die Kälte von minus 20 bis minus 30 Grad Celsius.
© privat
Das Forschungsteam auf Spitzbergen auf dem Nordpol.
Das Forschungsteam auf Spitzbergen unweit des Nordpols.
© Jonathan Fipper

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Infos und Quellen

Genese

Die Uni geht im Oktober wieder los – und damit verbinden wir vor allem warme Hörsäle und volle Seminarräume. Es geht aber auch anders, dachte sich WZ-Redakteurin Petra Tempfer und sprach mit einem Studenten, den es in die Kälte der menschenleeren Arktis auf dem Nordpol zieht.

Gesprächspartner

Jonathan Fipper ist 26 Jahre alt, und er schließt gerade sein Masterstudium in Physischer Geographie an der Universität Graz ab.

Daten und Fakten

  • Die Universität Graz betreibt die Sermilik-Forschungsstation in Grönland. Diese steht Studierenden und Wissenschafter:innen aus allen Disziplinen offen.
  • Der Hardangerjøkulen ist ein Gletscher im Südwesten Norwegens. Er ist ein Plateaugletscher, das bedeutet, dass er nicht durch die Flanken eines Tals eingegrenzt ist (Geomorphologie der kalten Bergregionen).
  • Im Nordosten Grönlands befindet sich ein riesiger Eisstrom, der Eis weit aus dem Inneren des Eisschildes zur Küste transportiert. Mehr als zehn Prozent des gesamten Festlandeises von Grönland fließen hier maßgeblich über zwei große Gletscher ab: Zachariæ Isstrøm und Nioghalvfjerdsbræ (Greenland Ice sheet Ocean Interaction).
  • Die Inselgruppe Spitzbergen liegt zwischen der Nordküste Norwegens und dem Nordpol im europäischen Nordmeer. Westlich von Spitzbergen befindet sich Grönland. Streng genommen trägt die Inselgruppe den Namen Svalbard, und Spitzbergen ist eine dieser Inseln, genauer gesagt die Hauptinsel. Im Deutschen hat sich die Bezeichnung Spitzbergen jedoch für die gesamte Inselgruppe eingebürgert.Die Nordspitze von Svalbard ist nur rund 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt (svalbard-infos.de).
  • Die Arktis umfasst das Nordpolarmeer – auch Arktischer Ozean genannt – und die nördlichen Landesteile der Kontinente Nordamerika (Alaska und Kanada), Europa (Skandinavien und Grönland) und Asien (Russland). In ihren Grenzen ist sie nicht einheitlich definiert. Verwendet man zur Definition die nördliche Baumgrenze, also die Gebiete, in denen keine hochwachsenden Pflanzen mehr vorkommen, wäre die Arktis etwa 20 Millionen Quadratkilometer groß. Baumlose Tundra, große Flüsse, Feuchtgebiete und Gebirge, die im Winter von Eis und Schnee bedeckt sind, prägen den Lebensraum der Arktis (WWF Deutschland).
  • Die Arktis hat ihr Gesicht in den letzten Jahrtausenden verändert: Eiszeiten, Klimaveränderungen und Einwanderungswellen haben die Region geprägt. Nun geht der Wandel vergleichsweise rasant voran: Das „ewige“ Eis auf der Nordhalbkugel könnte es in wenigen Jahrzehnten nur noch in den Wintermonaten geben (Deutsches Umweltbundesamt).
  • Die Antarktis erstreckt sich über den Kontinent Antarktika und das ihn umgebende Südpolarmeer. Mit der Region werden vorrangig gewaltige Eisberge und Pinguine assoziiert (Deutsches Umweltbundesamt).
  • Der Klimawandel hinterlässt in den Polargebieten auffälligere Spuren als im restlichen Teil der Erde. Das liegt zum einen an der besonderen Sensibilität der Eiswelten für Wärme. Zum anderen wird die durch Treibhausgase angestoßene Erwär­mung unseres Planeten vor allem in der Arktis durch so viele positive Rück­kopp­lungen verstärkt, dass die Temperaturen im Nordpolargebiet doppelt so schnell steigen wie in der übrigen Welt (World Ocean Review).

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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