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002 - Spaß an der Oper

Heute ist Edwin Baumgartner zu Gast, Musik- und Theaterwissenschafter, Redakteur bei der WZ und noch dazu Opern-Experte. Er erzählt WZ-Redakteurin Petra Tempfer, wie es dazu gekommen ist, dass überhaupt eine erste Oper geschrieben wurde, und, dass Opern-Komponisten eigentlich Schlagerstars waren. Und: Opern müssen nicht immer von Liebesdramen und Rachemord handeln. Ganz im Gegenteil.

29 Min 01.07.2023

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Die Rock- und Popmusik der früheren Zeit war die Oper.
© Midjourney

Warum gibt es überhaupt Opern? Die erste Oper, die man als richtige Oper bezeichnen kann, war L`Orfeo von Claudio Monteverdi. Das ist circa 415 Jahre her, die Oper war ein Geburtstagsgeschenk an den Fürsten Gonzaga, einer der Fürsten in Italien, erzählt der Musik- und Theaterwissenschafter Edwin Baumgartner im Gespräch mit Host Petra Tempfer.

Diese Opern, die damals geschrieben wurden, waren aber ganz anders als das, was wir heute darunter verstehen. Sie dienten der Volksbelustigung, die Rock- und Popmusik der damaligen Zeit war die Oper. Die Leute, ob Adel, ob Volk, ob Analphabeten, ob Schreibkundige, ob Philosophieprofessoren, ganz egal: Jeder ist in die Oper gegangen. Die Oper war der Schlager der frühen Jahrhunderte. Heute ist das nicht mehr so. Im 19. Jahrhundert hat sich das gedreht, und die Oper ist elitär geworden.

Dennoch gibt es die Möglichkeit, auf die Suche zu gehen, ob einem eine Oper gefallen würde – man geht auf YouTube. Dort gibt es Opern in Ausschnitten, massenhaft Opern in ganzen Aufnahmen mit Bild, ohne Bild, mit Video, ohne Video, historische Aufnahmen, zeitgenössische Aufnahmen. Man kann hören, was man will. Es muss auch nicht immer nur um Liebesdramen, Mord und Totschlag gehen, es gibt auch komische Opern wie die französischen. Und dann kann man vielleicht sogar drei, vier billige Vorstellungen besuchen, und mit der Zeit wird man drauf kommen, was einem gefällt und was nicht. Es ist ein Ausprobieren. Und vielleicht macht Oper dann sogar Spaß.


Infos und Quellen

Genese

Ein Opernbesuch ist meist teuer und hat den Ruf, ein elitärer Zeitvertreib zu sein. Deshalb versuchen es viele vermutlich erst gar nicht, sich damit auseinanderzusetzen geschweige denn, hinzugehen. WZ-Redakteurin Petra Tempfer wollte diesem Mysterium Oper daher auf den Grund gehen, damit es nicht komplett in Vergessenheit gerät, und herausfinden, was tatsächlich dahintersteckt.

Gesprächspartner

Kultur-Experte Edwin Baumgartner im Podcast-Studio von Missing Link.
Kultur-Experte Edwin Baumgartner im Podcast-Studio.
© Rainer Klement

Edwin Baumgartner hat Musik-, Theaterwissenschaft und Komposition studiert. Seit mehr als 30 Jahren ist er bei der WZ als Redakteur tätig. Seine Kompositionen wurden in Europa und Asien aufgeführt. Zusätzlich hat er zwei Bücher geschrieben, die im Claudius-Verlag herausgekommen sind: „Schmäh“ und „Wiener Wahn“ befassen sich mit den Untiefen der Wiener Seele; zusammen mit den Autorinnen Doris Kloimstein und Ingrid Schramm hat er bei Goldegg den Band „Nennen wir ihn Rumpelstilzchen“ mit kuriosen Geschichten über Schriftsteller:innen herausgebracht.

Daten und Fakten

Einstiegsopern:

Ebenfalls erwähnte Oper:

Quellen

Archiv:

  • Aus dem Archiv der Wiener Zeitung vom 1. Oktober 1791 (auf Seite 9):

    Im k. und k. Nationaltheater wurde letztvergangenen Dienstag, den 27. September, zum ersten Mal vorgeführt: ein neues Originallustspiel in fünf Aufzügen von Herrn Johann Friedrich Jünger, „Die Geschwister vom Lande” betitelt.

Einspielungen:

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