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037 - Schwierige Übersetzungen: Wenn das Bordell zum Kloster wird

„Nunnery" wird zum Kloster, obwohl eigentlich ein Bordell gemeint ist, und Gyro Gearloose wird zu Daniel Düsentrieb: Übersetzungen ins Deutsche sind manchmal ganz bewusst anders als das Original. Nicht immer sei das sinnvoll, meint der Kultur-Experte und WZ-Redakteur Edwin Baumgartner in dieser Podcast-Folge zu Host und WZ-Redakteurin Petra Tempfer – die jedoch anderer Meinung ist.

39 Min

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Eine Illustration eines Buches, welches von einem Stift geschwärzt wird.
Kann man Texte durch „falsche" Übersetzungen retten?
© Illustration: WZ, Bildquelle: Midjourney

Nur Donald Duck und die Bewohner:innen Entenhausens seien eine Ausnahme: Mit Erika Fuchs, die die Comics nicht originalgetreu übersetzte, hätten sie Glück gehabt, sagt der Kultur-Experte Edwin Baumgartner zu Host Petra Tempfer. Denn sprechende Namen wie Scrooge McDuck, wie Dagobert Duck eigentlich heißt, funktionieren im Deutschen einfach nicht. Dieses Beispiel ist laut Baumgartner aber schon das einzige, das in seinen Augen für freie Übersetzungen spricht.

Denn dass etwa „Get thee to a nunnery, go" aus William Shakespeares „Hamlet" mit „Geh in ein Kloster!“ übersetzt wurde, führe eindeutig zu weit vom Original weg, meint er. Shakespeare habe ein Bordell gemeint, in das er die liebeskranke Ophelia schicken wollte, was „nunnery“ zu Shakespeares Zeiten ebenfalls bedeutete. Das habe in der Zeit der Übersetzungen im 18. und 19. Jahrhundert aber niemand in den Mund nehmen und auch nicht niederschreiben wollen. Der Übersetzer Christoph Martin Wieland merkte an einigen „Hamlet"-Stellen sogar an, dass er diese nicht übersetze, weil „der Meister Ausdrücke verwendet, die man nicht übersetzen will“. Er wollte Shakespeare retten.

Das sei auch gut und richtig so, meint dazu Petra Tempfer. Denn hätte man ihn stets originalgetreu übersetzt, hätte kaum ein Theater der damaligen Zeit seine Stücke gespielt – und Shakespeare wäre nicht so berühmt geworden, wie er es heute ist.

Seid ihr Team Edwin oder Team Petra? Schreibt uns eure Meinung an feedback@wienerzeitung.at


Und hier noch ein Tipp für alle, die gerne mehr Podcasts hören: Am 16. Februar erscheint die erste Folge unseres wöchentlichen, fünfteiligen Dokumentar-Podcasts der WZ zum Lawinenunglück von Galtür. Vor 25 Jahren stürzte eine Lawine in den kleinen Tiroler Ort und verschüttete Häuser und Menschen. Die WZ-Redakteur:innen Petra Tempfer und Bernd Vasari sind nach Tirol gefahren und haben mit den Menschen, die damals dabei waren, gesprochen. Der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle war auch darunter: Zur Zeit des Unglücks war er der Bürgermeister von Galtür.

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