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011 - Warum die Lehre die bessere Matura ist

Wie Studien zeigen, verdienen Lehrabsolvent:innen im Berufsleben mehr als Maturant:innen. Trotzdem haben Jugendliche noch immer Angst davor eine Lehre zu beginnen. Welches sind die Lehrstellen mit den besten Berufsaussichten? Und was müsste sich ändern, damit das Angebot von über 230 Lehrberufen in Österreich bekannter wird? Diese und viele andere Fragen beantwortet Lehrlingsexperte Mario Derntl, der in der heutigen Podcastfolge bei WZ-Redakteur und Host Bernd Vasari zu Gast ist. Derntl absolvierte eine Lehre als Mechatroniker in der Voest Alpine und war vier Jahre lange Geschäftsführer von Österreichs größter Lehrlingsinitiative, der Zukunft Lehre Österreich.

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WZ Podcast #11 - Warum Lehre die bessere Matura ist
© Illustration: WZ, Bildquelle: Midjourney

Mario Derntl absolvierte eine Lehre als Mechatroniker in der Voest Alpine und war vier Jahre lange Geschäftsführer von Österreichs größter Lehrlingsinitiative, der Zukunft Lehre Österreich. Im Gespräch mit WZ-Redakteur und Host Bernd Vasari erklärt er warum viele Jugendliche, die sich durch die Schule quälen, von ihren Eltern angehalten werden, möglichst bis zur Matura durchzuhalten. Derntl zeigt Verständnis für die Eltern: "In Österreich den Menschen jahrzehntelang eingeredet, wer in diesem Land etwas werden will, muss ein Gymnasium oder eine HTL besuchen und dann studieren. In die Lehre gehen hingegen nur die Versager, die, die es nicht schaffen."

Wie falsch diese Auffassung ist, zeigen mehrere Studien, die belegen, dass man mit einer Lehrausbildung im späteren Berufsleben sogar mehr verdienen kann als mit Matura. Derntl fordert daher: "Die Berufsausbildung müsste in der Schule als gleichwertige Alternative zur Oberstufe angeboten werden, damit sich Jugendliche und ihre Eltern ein objektives Bild machen können."

Die Unwissenheit über die Lehre führt zu einem weiteren Problem. In Österreich gibt es 230 Lehrberufe, die wenigsten sind jedoch bekannt. Von den 35.137 beschäftigten weiblichen Lehrlingen im Jahr 2022 waren 3.502 im Lehrberuf Bürokauffrau, 2.607 im Lehrberuf Einzelhandel und 2.053 im Lehrberuf Friseurin tätig. Die Top drei der gewählten Berufe machten also 23,2 Prozent der Gesamtlehren aus.

Bei den Männern ist das Bild ähnlich: Von den insgesamt 72.948 beschäftigten männlichen Lehrlingen im Jahr 2022 waren 9.326 im Lehrberuf Elektrotechnik, 8.986 im Lehrberuf Metalltechnik und 7.139 im Lehrberuf Kraftfahrzeugtechnik tätig. Die Konzentration der drei häufigsten Lehrberufe machte also 34,9 Prozent der Gesamtlehren aus. Notwendig wären laut Derntl daher der Ausbau von Talentechecks, mit Ausbildungs- und Berufsvorschlägen.

Bernd Vasari hat mit Mario Derntl auch darüber gesprochen, wie hoch die Einstiegsgehälter sind, ob vegane Kochlehre sinnvoll ist und wie der Frauenanteil in der Lehre erhöht werden kann.


Infos und Quellen

Gesprächspartner

Ein Foto von Podcastinterviewpartner Mario Derntl.
© Copyright: Mario Derntl
  • Mario Derntl absolvierte eine Lehrausbildung zum Mechatroniker in der Voest Alpine, studierte später Betriebswirtschaft in Wien und Kalifornien und leitete seit November 2019 Österreichs größte Lehrlingsinitiative Zukunft Lehre Österreich. Nun hat er sein eigenes Unternehmen Talents and Company gegründet.

Quellen

  • Aus dem Archiv der Wiener Zeitung vom 12. Juli 1895 auf Seite 14:

    Viele offene Stellen, für die Menschen aus dem Ausland angeworben wurden, gab es immer wieder. Gastarbeiter aus der Türkei und Jugoslawien in den 1960er Jahren oder Menschen aus den tschechischen Gebieten der k. u. k. Monarchie im 19. Jahrhundert. Die Arbeitsplätze sollten schnell besetzt werden, über die sozialen Herausforderungen machte man sich keine Gedanken. Das führte immer wieder zu Vorurteilen und Feindseligkeiten. Am 12. Juli 1895 berichtete die Wiener Zeitung über die Sitzung des Abgeordnetenhauses im Reichsrat. Thema war die Komensky-Volksschule in der Quellenstraße im 10. Wiener Gemeindebezirk. Sie wurde von den Kindern tschechischer Arbeiter:innen besucht.

    Der Abgeordnete Hauck von der Deutsch-Nationalen Partei sagte: „Früher, bevor die Tschechen mit ihren Bestrebungen hervortraten, habe im 10. Bezirke Frieden geherrscht. Es sei ein Versäumnis gewesen, dass die Leute nicht aufgeklärt wurden, was für Folgen der Besuch der Komensky-Schule für die Kinder haben müsse, da sie nicht genügend deutsch lernen.“

    Der Abgeordnete Kaizl entgegnete: „Besonders jetzt vor den bald beginnenden Wahlen wolle man den Wettlauf mit den extremen Parteien aufnehmen. Hierbei gehe die nationale und die soziale Unterdrückung Hand in Hand und man lasse sich vom nackten, brutalen Egoismus leiten.“

  • AMS Arbeitsmarktdaten

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