In einer "normalen" Volksschulklasse soll eine Lehrerin 25 Kinder "fördern und fordern", wie es oft heißt. Vom omnipräsenten Leistungsdruck ist in der Löwenschule nichts zu spüren: Miriam sitzt am Teppich und sortiert Maiskörner und getrocknete Erbsen, auch Paul sitzt am Boden, vor ihm ausgebreitet liegen Zahlen, die er mit der Integrationslehrerin durchgeht: 45, 46, 47. . . vor einem anderen Kind liegen Kärtchen mit Nomen und die Artikel "der", "die", "das", es gilt sie aneinanderzureihen: "Wo ist das ‚das‘? Es heißt doch ‚das Baby‘?" Fast immer arbeiten die Kinder in dieser Art von Freiarbeit, ihren Wochen- oder Tagesplan arbeiten sie selbstständig ab. Frontalunterricht kennen sie nicht, wann welche Aufgabe erledigt wird, entscheiden sie selbst. Einmal pro Woche geht es um Konfliktmanagement, in der Klassenkonferenz werden Probleme besprochen, geleitet wird diese Diskussion von zwei Kindern aus der 3. und 4. Schulstufe.

"Kurse für alle Altersgruppen"

In der Glücksstunde konzentriert man sich auf die positiven Aspekte: "Ich bin stolz darauf, dass ich die 7er-Reihe kann", "Ich bin stolz, dass ich mein Knüpfband fertig habe", "Ich bin stolz, dass das ganze halbe Schuljahr vorbei ist": Ein Pokal wird herumgereicht und jedes Kind sagt, was es geschafft hat. Dabei geht es zwar um Leistung - aber diese wird von den Kindern selbst definiert. "Besonders die Hochbegabten nehmen alles als selbstverständlich hin. Ihnen fällt oft gar nicht ein, worauf sie stolz sein können", so Schwarzmann. Mithilfe einer der drei Lehrerinnen findet sich aber immer etwas, auf das sie stolz sind. "Es geht darum, die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit, der Kinder zu stärken", so die Pädagogin. Nur so können die Kinder zu zufriedenen Menschen heranwachsen, die ihren Selbstwert nicht an perfektionistischen Ansprüchen an sich selbst messen.

Aber nicht alle gewinnen dem Glücksfach nur Positives ab. Agnieszka Czejkowska, Professorin für Lehrerbildung an der Karl-Franzens-Universität Graz, bezeichnet das Glücksfach als "pädagogisches Kitschthema": "Wir leben in einer Gesellschaft, die so konkurrenzorientiert ist wie nie zuvor. In den Schulen tun wir aber so, als könnte das Gemeinwesen gerettet werden, wenn wir einander liebevoll und respektvoll begegnen." Man dürfe sich nicht wundern, wenn Schule orientierungslose Jugendliche entlässt, sagt sie. "Glückvermittlung ist zwar prinzipiell begrüßenswert, aber solche Kurse bräuchten wir dann bitte für alle Altersgruppen, auch für Erwachsene."