Auch in Englisch verzeichnete Oberösterreich die wenigsten Fünfer, die meisten Nicht Genügend lieferten hier die Burgenländer. Kaum Unterschiede gab es in Deutsch: Hier kamen in allen Bundesländern zwischen 96 und 98 Prozent der angetretenen Schüler durch. Doch noch nicht alle haben die Reifeprüfung hinter sich gebracht. Anstatt der Nachprüfung im Herbst ("Zusatz") finden die neuen Kompensationsprüfungen bereits nächste Woche - also wenige Woche nach der schriftlichen Matura - statt.

Schummelnde Lehrer

Vorarlbergs Landesschulinspektorin Christine Schreiber wünscht sich, dass die Matura extern korrigiert wird: "Die Tatsache, dass derzeit der eigene Lehrer korrigiert, ist ein Problem. Die Versuchung, die Ergebnisse zu beschönigen, ist da", sagt sie zur "Wiener Zeitung". Sie nimmt damit Bezug auf einen Betrugsfall in Vorarlberg: Der Lehrer hatte zugunsten seiner Schüler "sehr wohlwollend über die Korrekturvorgaben hinweg korrigiert", so Schreiber. Der Lehrer wurde verwarnt und aus der Maturakommission ausgeschlossen.

Es war einer von zwei Betrugsfällen, die am Wochenende bekannt geworden sind: Zuvor war ein Lehrer im Militärgymnasium in Wiener Neustadt suspendiert worden, nachdem er vier schriftliche Maturaarbeiten manipuliert, hatte. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall.

"Mit den Ergebnissen sehr zufrieden" zeigte sich unterdessen Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Große Änderungen für das kommende Jahr hält sie nicht für notwendig.

Für die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) war es "recht offensichtlich, dass es neben einer großen Anzahl an Schulen und Klassen mit nahezu nur positiven Noten auch Schulen und Klassen mit schlechteren Ergebnissen gibt". Ihr oberösterreichisches Pendant Fritz Enzenhofer (ÖVP) verzeichnete dagegen auf den ersten Blick keine "echten Ausreißer". Bundesschulsprecher Lukas Faymann verlangte eine "gezielte Förderung der schwächeren Schulen mit zusätzlichen Mitteln". Außerdem müsse die Matura "schülerfreundlicher" werden.

Auch Bildungsexperten sehen Verbesserungspotenzial: Bildungswissenschafter Hopmann befürwortet die "teilzentrale Matura": Grundlagen in Mathematik werden bundesweit getestet, ein zweiter Teil - wie früher üblich - von den Lehrern vor Ort. Für ihn ist die Zentralmatura in ihrer jetzigen Form "eine Lotterie für die Schüler, ob der Lehrer den richtigen Riecher hatte". Die Germanistin Schrodt kritisiert vor allem die zentrale Deutschmatura, die von den Schülern "keinerlei Fähigkeiten zur Literaturanalyse verlangt". Sie befürchtet zudem Umsetzungsprobleme, wenn die Zentralmatura 2016 auch an allen Berufsbildenden Höheren Schulen Realität wird, da die Standards dort mitunter stark von jenen an AHS und Realgymnasien abweichen.

Börsenotierte Nachhilfe?

Dass die Zentralmatura auch ein Riesengeschäft ist, an dem Nachhilfeinstitute mitnaschen wollen, gibt Hopmann zu bedenken: "Das betrifft nicht nur Leute, die gefährdet sind durchzukommen, sondern auch jene, bei denen es um einen Vorsprung geht. Es gibt ja sehr viele verunsicherte Eltern."

Zwar sei man noch weit entfernt von Japan, wo Nachhilfeinstitute an der Börse notiert sind und die bezahlte Nachhilfe an einem renommierten Institut eher Garant für gute Noten ist als der Schulunterricht. Doch auch hierzulande gelte: "Wer glaubt, dass man durch die Zentralmatura soziale Unterschiede oder Unterschiede zwischen den Geschlechtern abbauen kann, hat keine Ahnung", sagt Hopmann in Richtung Bildungsministerin Heinisch-Hosek.