St. Pölten. In der Ferne drehen sich Windräder im Kreis, grüne Felder, so weit das Auge reicht. Aus den Stallungen ertönt Stiergebrüll. Während Schüler anderswo ihre Pausen in grauen Schulhöfen verbringen, erstreckt sich das Gelände der landwirtschaftlichen Fachschule (LFS) in Obersiebenbrunn auf knapp 50 Hektar: Apfelbäume säumen die Wege, auf den Feldern wächst so ziemlich alles, von Erdäpfel über Sonnenblumen bis hin zu Mais. Der Ort im Bezirk Gänserndorf ist eine halbe Stunde von Wien entfernt, für 160 Jugendliche hat hier vergangene Woche das neue Schuljahr begonnen.

Die Schule als
Nah- und Selbstversorger

Die Hälfte von ihnen wohnt im Internat, das am Schulstandort angesiedelt ist. Einmal über die Straße gehen, und schon ist man mitten auf dem Bauernhof. Insgesamt leben hier 100 Rinder und 150 Schweine - doch die Fluktuation ist hoch, neben den Stallungen befindet sich ein kleiner Schlachthof und ein Ab-Hof-Laden: "So kurze Wege wie hier gibt es sonst nirgends", erzählt Direktor Gerhard Breuer, und was die Schülerinnen und Schüler innerhalb des Unterrichts schlachten, landet auf dem Mittagsteller in der Schulkantine.

Die LFS Obersiebenbrunn ist quasi Selbstversorger: Nur beim Käse und beim Wein wird auf die Waren von anderen Landwirtschaftsschulen zurückgegriffen.

Der Unterricht ist - wie der bäuerliche Alltag auch - stark an die Jahreszeiten gebunden: Im Herbst und im Frühjahr wird geerntet und Gemüse zu Kompott oder Marmelade verarbeitet, im Winter liegt der Fokus auf der Theorie. Wenn es wie in diesem Sommer viel regnet, haben die angehenden Bauern mit denselben Problemen zu kämpfen wie erfahrene Landwirte: Die Felder sind zu nass, es kann nicht geerntet werden.

Die Schule wurde 1914 in Betrieb genommen, in der Gründerzeit wurde Invaliden aus dem Ersten Weltkrieg die Ausbildung kostenlos ermöglicht. Vor zwanzig Jahren wurde das Gebäude saniert. Doch bei allem Traditionsbewusstsein hat sich die Ausbildung der Landwirte nicht nur in Obersiebenbrunn, sondern in ganz Österreich stark verändert. Seit heuer findet der Unterricht an den LFS in Niederösterreich nicht in Gegenständen, sondern Modulen statt. "Der Gedanke dahinter war, den 50-Minuten-Takt aufzubrechen", sagt Jürgen Mück von der Abteilung Landwirtschaftliche Bildung der niederösterreichischen Landesregierung.