Wien. "Es ist, wie es ist, und es bleibt wie es war / Na dann ist ja alles (...) wunderbar": Das von Streichern untermalte Lied "Wien brennt" gilt als Hymne von Unibrennt, jener Bewegung, die vor fünf Jahren ihren Anfang nahm und diese Woche mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert wird. Während die Streicher jene Sentimentalität einfangen, mit der die Beteiligten zurückdenken, ist der Text weniger romantisierend: Verändert hat der Protest, der mit wochenlangen Hörsaalbesetzungen beachtliche Ausmaße annahm, wenig.

Alles begann im Oktober 2009 an der Akademie der Bildenden Künste, zwei Tage später haben Studierende nach einer Demonstration spontan das Audimax, den Hörsaal der Universität Wien, besetzt. Das Unibrennt-Feuer breitete sich schnell über ganz Österreich aus, anfangs richtete sich der Protest gegen die Umstellung auf das Bologna-System und die damit verbundene Verschulung des Hochschulsektors. Später wurden die Forderungen auf Maßnahmen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen und Reformen im Asylwesen ausgeweitet.

"Ist das prüfungsrelevant?"

Heute findet man an den Unis zeiteffiziente Studienpläne vor und trifft Studierende, die an schnellen Scheinen interessiert sind: Die Situation hat sich in den vergangenen fünf Jahren eher verschlechtert als verbessert. "Die Befürchtungen von damals sind eingetroffen", sagt der Politologe Thomas Schmidinger, damals Präsident der IG externe Lektoren. Er bezeichnet den Bachelor als "Verlängerung des Gymnasiums", und der Uni-Alltag gibt ihm recht: Die Frage nach der Relevanz der Inhalte für Prüfungen ist omnipräsent, bei den Prüfungen bitten Professoren darum, in ganzen Sätzen zu antworten und nicht in Schlagwörtern, die von Power-Point-Präsentationen auswendig gelernt wurden. Und in manchen Studienfächern muss man sich inzwischen mit Lebenslauf bewerben, um einen Professor zu finden, der die Masterarbeit betreut, so heißt es. Auch wenn Unibrennt nachhaltig nichts verändert hat, habe es auf Seiten der Unibediensteten "kleine Erfolge" gegeben, erzählt Schmidinger: Der Betriebsrat wurde gestärkt, einzelne Lehrende erhielten dauerhafte Verträge, Lehrende werden vom Rektorat ernster genommen.

Protest als Selbstzweck

Doch für die Studierenden nimmt sich der Erfolg bescheiden aus. Zwar wurden einige von ihnen durch Unibrennt politisiert, doch die nachkommende Generation kann mit dem Begriff "Unibrennt" kaum etwas anfangen. Kritische Stimmen sagen, die Bewegung sei vor allem Selbstzweck gewesen: Viele Studierende wollten auch einmal Teil eines "großen Protests" sein, ihre Forderungen waren nie auf Verwirklichung ausgerichtet und zu diffus, als dass sie etwas erreichen hätten können. Von den Beteiligten wird betont, dass Bildung immerhin von einer breiten Öffentlichkeit diskutiert wurde - doch eine kritische Reflexion darüber, was Bildung überhaupt heißt und will, gab es nie.