Wien. Druckstellen an den Fingern vom vielen Mitschreiben? Die neue Studentengeneration hat eher Probleme mit dem oft gebeugten Nacken und den vom vielen Tippen geschundenen Sehnenscheiden. Im Zeitalter der Digitalisierung ändern sich aber nicht nur die Krankheitsbilder. Video- und Audioaufnahmen in Hörsälen sind keine Seltenheit, für viele gehört die Mitschrift der Vergangenheit an - irgendwer wird‘s schon online stellen.

Die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien will dem Trend nun Einhalt gebieten, indem sie die digitalen Aufzeichnungen untersagt. Kürzlich wurden Studierende in einem E-Mail darauf hingewiesen, dass Ton- oder Videoaufnahmen von Lehrveranstaltungen "grundsätzlich nicht gestattet sind". Lehrende dürften Aufzeichnungen zwar erlauben, doch man ersuche um Verständnis, dass diese Genehmigungen "voraussichtlich nur in gut begründeten Einzelfällen erteilt werden". Ursprünglich berief sich die WU Wien auf das Urheberrecht - denn der Vortrag eines Lehrenden im Rahmen einer Lehrveranstaltung ist ein Sprachwerk und damit urheberrechtlich geschützt. Doch inwieweit dieses für eine öffentliche Vorlesung gilt, darüber gehen die Rechtsmeinungen auseinander.

Keine Einigkeit bei Rechtsfrage

Das Urheberrecht gestattet den privaten Gebrauch für Studienzwecke, sagt der Jurist Michel Walter. Durch die technische Aufzeichnung eines Lehrveranstaltungsvortrages wird bereits eine Vervielfältigung des Werkes vorgenommen, entgegnet ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums. Demnach sei der Lernzweck im Rahmen des privaten Gebrauchs nicht gedeckt, da dieser "ausschließlich der Befriedigung persönlicher Bedürfnisse wie der eigenen Unterhaltung oder Erbauung und jener von Freunden, Bekannten und Verwandten dient". In jedem Fall haben Universitäten das Recht, Mitschnitte aufgrund des Hausrechts einzuschränken - wie es im Falle der WU Wien geschieht.

"Uns ist schon klar, dass die Möglichkeit besteht, zum privaten Gebrauch mitzuschneiden", sagt Edith Littich, Vizerektorin für Lehre an der WU Wien, auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". "Lehrende und Studierende sind aber nicht dazu da, abgefilmt zu werden. Wir wollen nicht, dass Lehrende oder Studierende heimlich gefilmt werden und Videos dann ohne Einwilligung auf Youtube gestellt werden", erklärt Littich. Sie verweist auf das breite E-Learning-Angebot der WU Wien und sagt, viele Lehrende würden Vorlesungen von sich aus ins Netz stellen.