Wien. "Wer die Chance hat wegzugehen und es nicht tut, ist blöd." Es mag provokant klingen, doch für viele junge österreichische Wissenschafter ist der Weg ins Ausland nur logisch. Er kenne "jede Menge Leute", die bereits weg sind, sagt Thomas Schmidinger, Politikwissenschafter an der Universität Wien, zur "Wiener Zeitung". In Stockholm etwa locken unbefristete Stellen mit Kinderbetreuung: "Ein Traum", so Schmidinger. Dass die Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft prekär sind, ist zwar kein rein österreichisches Phänomen - dass es kaum Nachwuchsförderung gibt, jedoch schon, so der Politologe.

Die hellsten Köpfe wandern ab: "Brain Drain" ist nicht zuletzt dem Prekariat geschuldet. - © Sergej Khackimullin - Fotolia
Die hellsten Köpfe wandern ab: "Brain Drain" ist nicht zuletzt dem Prekariat geschuldet. - © Sergej Khackimullin - Fotolia

Jene, die am besten ausgebildet sind, gehen ins Ausland ("Brain Drain") oder steigen nach einigen zermürbenden Jahren ganz aus dem wissenschaftlichen Betrieb aus. Und für Wissenschafter aus dem Ausland ist es wenig attraktiv, sich hier niederzulassen (dies würde man als "Brain Gain" bezeichnen). Doch wie ist es um die Arbeitsbedingungen junger Wissenschafter hierzulande tatsächlich bestellt?

"Patchwork-Einkommen"

Schmidinger hat ein "Patchwork-Einkommen": Er ist Lektor an der Uni Wien und der Fachhochschule Vorarlberg, er hat eine 40-Stunden-Woche und verdient "sehr wenig". Er ist jüngst von einem Forschungsaufenthalt in Prishtina zurückgekehrt, der ihm durch das MOEL-Förderprogramm der Österreichischen Forschungsgesellschaft ermöglicht wurde - dem MOEL wurde im Übrigen gerade der Geldhahn abgedreht. Den 37-Jährigen stören die hohen Anforderungen an Mobilität in seinem Job nicht, er sagt aber auch: "Mit 50 möchte ich das nicht mehr machen."

Für jene, die Österreich nicht verlassen wollen, wird es schwierig mit der wissenschaftlichen Karriere. Nach der Promotion hat sie erst einmal einige Monate in der Privatwirtschaft gejobbt, erzählt eine 30-jährige Geisteswissenschafterin, die namentlich nicht genannt werden will. Denn qualifizierte Stellen sind rar, von 150 Bewerbungen war nur eine einzige erfolgreich. Sie hat auch das Lehramt studiert - "eine Notlösung", denn: "Ich habe nicht zwölf Jahre meines Lebens investiert, um Lehrerin zu werden." Das Ziel war die Wissenschaft, doch auch ihre jetzige Assistenzstelle an einem geisteswissenschaftlichen Institut ist befristet.

Prekäre werden mehr

Trotz schlechter Bezahlung und unbefristeten Verträgen wächst das wissenschaftliche Personal an den Unis. Das ist vor allem dem Zuwachs der unter 24-Jährigen zu verdanken. Doch ihre Gehälter werden nur zum Teil aus dem Globalbudget der Universitäten bezahlt, immer mehr werden über Drittmittel - etwa vom Wissenschaftsfonds FWF - finanziert. Das ist für Schmidinger, einst Präsident der IG Externe Lektoren und Wissenschafter, per se nicht problematisch, etwa wenn Gelder vom FWF kommen, bei dem es eine klare Vergabepraxis gibt. Kritische Forschung sieht er jedoch gefährdet, wenn Saudi Arabien die Forschung zu Menschenrechten am Institut für Orientalistik mitfinanziert.