Wien. An den steirischen Unis sind zehn von 14 Uniratsmitgliedern weiblich, die Unisenate hätten ihre Lektion in Sachen Frauen-Entsendungen gelernt: So lauteten die medialen Jubelmeldungen zu Jahresanfang, als die Namen der 21 Uniräte bekannt wurden, die als eine Art "Aufsichtsräte" an Österreichs öffentlichen Universitäten fungieren. Der Unirat feiert zehnjähriges Bestehen, er wurde durch das Universitätsgesetz 2002 geschaffen, und damals wurde von der SPÖ eine Frauenquote von 40 Prozent hineinreklamiert.

Doch keine Übererfüllung der Frauenquote?

Im Wintersemester 2012/13 wurden die Universitätsräte an allen Unis neu bestellt, erst wählten die Senate ihre Kandidaten aus, anschließend die Regierung (auf Vorschlag des Wissenschafts- und Bildungsministeriums). Hier lag der Frauenanteil tatsächlich bei beachtlichen 55 Prozent, die 40-Prozent-Quote wurde also übererfüllt - doch diese Zahl muss revidiert werden, da die Uniräte in einem letzten Schritt ihr fünftes, siebtes beziehungsweise neuntes Ratsmitglied selbst ernennen. An manchen Unis geschieht dies nach Ostern (am 2. April entscheidet etwa die Wirtschaftsuniversität Wien), die meisten anderen größeren Unis haben ihre Wahl bereits getroffen - und dabei fällt auf, dass diese bis dato auf keine einzige Frau fiel.

"Das ist ein altbekanntes Phänomen: Bei einem Dreiervorschlag (wie ihn Regierung und Senate machen, Anm.) ist klar: Mindestens eine Frau muss rein. Doch geht es um eine einzelne Nominierung, hat man schnell einen Männernamen bei der Hand, insbesondere im männerdominierten wissenschaftlichen Bereich", sagt Barbara Blaha zur "Wiener Zeitung".

Die ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) ist mit 29 Jahren das wohl jüngste Mitglied der insgesamt 135 Uniräte, sie wurde auf Vorschlag der Studenten vom Senat in den Rat der Universität Salzburg entsandt. Sie ist 2007 aus Protest gegen die Beibehaltung der Studiengebühren aus der SPÖ ausgetreten, was die ÖH Salzburg als "hohes Maß an Integrität und Konsequenz" bezeichneten. Heute ist sie kaufmännische Leiterin des Czernin-Verlags.

Viele neue Gesichter
und etliche alte Bekannte

In einigen Fällen treffen in den Uniräten alte Bekannte aufeinander: Der Verfassungsrichter Johannes Schnizer und Ex-Wirtschaftsminister Johannes Ditz sitzen im Rat der Uni Wien in einem Boot. An der TU Wien gibt es für Veit Sorger, Ex-Chef der Industriellenvereinigung und Herbert Tumpel, der kürzlich aus seinem Amts als Arbeiterkammer-Präsident geschieden ist, ein sozialpartnerschaftliches Déjà-vu. Für Kärntens frühere SPÖ-Chefin Gabriele Schaunig wird ihr Politik-Comeback als Finanzlandesrätin der SPÖ Kärnten jedoch das jähe Aus als Unirätin mit sich bringen, da Funktionäre einer politischen Partei nicht zugleich Uniräte sein dürfen.