Wien. Sie haben weniger Geld, ihre Studienlaufbahn endet öfter mit dem Bachelor, und das, obwohl sie schneller studieren und mehr Zeit ins Studium investieren als ihre männlichen Kommilitonen. Weibliche Studierende sind mit den Studienbedingungen unzufriedener und leiden stärker unter psychischen Problemen, doch zahlenmäßig haben sie die Männer bereits hinter sich gelassen: 54 Prozent der Studierenden sind weiblich. Das ergab eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS), die Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle am Dienstag präsentierte.

Kürzere Unterstützung

Studentinnen haben im Schnitt pro Monat um 80 Euro weniger zur Verfügung. Zum einen ist das dadurch erklärbar, dass Männer während des Studiums mehr und öfter in regulären Dienstverhältnissen arbeiten. Zudem werden Frauen finanziell weniger und kürzer durch ihre Familien unterstützt. Junge Männer erhalten oft die gesamte Familienbeihilfe von den Eltern, Frauen häufig nur zum Teil. Und wenn die Familienbeihilfe ab dem 24. Lebensjahr nicht mehr bezahlt wird, endet die familiäre Unterstützung häufig nur für Frauen - daher ist die finanzielle Lage von da an "ein größeres Problem als für Männer", so Studienautorin Petra Wejwar.

Ob Studieninhalt oder Vielfalt der Lehrveranstaltungen: Studentinnen sind unzufriedener mit den universitären Bedingungen als Studenten - was Studienautor Martin Unger darauf zurückführt, dass sie vermehrt Massenfächer studieren: "Maßgeblich für die meisten Unterschiede ist die geschlechtsspezifische Studienwahl." Das führt zu einem frühen Studien-Stopp: Haben sie ihr Bachelor- oder Masterstudium beendet, entscheiden sie sich seltener für ein weiterführendes Studium.

Wurzel des Problems ist also die Studienwahl - für Töchterle offenbar kein Grund, mehr Frauen in naturwissenschaftliche Fächer zu bringen: "Ich möchte nicht in das allgemeine Gequake einstimmen, wie furchtbar es sei, dass Frauen ein geisteswissenschaftliches Studium wählen", so der Wissenschaftsminister, "auch wenn die ganze Welt jetzt nach MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, Anm.) schreit." Um "Barrieren, die es vielleicht noch gibt", abzubauen, möchte er bestehende Stipendien und Beratungen für Frauen ausbauen. "Ganz konkrete, unmittelbare Maßnahmen als Reaktion auf diese Studie habe ich nicht zu präsentieren", gesteht er.

Dass Studentinnen häufiger unter Stress und psychischen Problemen leiden, und zwar besonders in männerdominierten Fächern, ist für Töchterle eine logische Konsequenz: "Es kann natürlich sein, dass es für Frauen eine zusätzliche psychische Belastung bedeutet, ein männerdominiertes Fach zu studieren", so Töchterle. "Wenn man sich gegen seine Neigung für das schwierigere, harte, männerdominierte Studium entscheidet, dann ist es plausibel, dass man dort mehr Stress empfindet." Er würde Frauen nicht aktiv anwerben, um sie für ein MINT-Fach zu gewinnen, sondern informiere Studienanwärterinnen lediglich über bessere Berufsaussichten. "Es mag sein, dass unsere Gesellschaft diese Rollenbilder prägt. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man diese völlig aufgeben sollte."

Wenige Frauen an den FHs

Fächerübergreifend ist die Zahl der Studentinnen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen und hält nun bei 54 Prozent. "Die Anzahl der Studentinnen hat sich seit 1970 von 13.269 auf 174.374 fast verfünfzehnfacht", erklärt Unger. Die meisten Frauen sind an Universitäten eingeschrieben. Bei Fachhochschulen (FHs) ist ihr Anteil besonders gering: 11 Prozent der weiblichen Studierenden sind an einer FH eingetragen, während 14 Prozent der Männer hier studieren. Weiblich dominiert sind die Pädagogischen Hochschulen, wo sechs Prozent der Frauen studieren (Männer: zwei Prozent).

Die Studierendensozialerhebung wird seit 1970 durchgeführt. Die aktuelle Studie des IHS ist die erste, die die Situation weiblicher Studierender gesondert betrachtet und nach Ursachen für die oftmals schlechtere Situation sucht. Angeregt wurde die Untersuchung vom Beirat des Wissenschaftsministeriums für Gender und Diversity.