"Du brauchst nicht in der Gosse zu bleiben, nur weil du dort geboren bist", sagt man ihr, aber Piaf will gar keine Dame werden und stellt ihre Freiheit von allen Konventionen extravagant unter Beweis: Zahlreiche Amouren, Alkohol, Krankheit, Karriereknick, Verschuldung, ein früher Tod mit nur 47 Jahren. Und trotzdem lautet ihr Lebensbekenntnis: Non, je ne regrette rien! - Ich bedauere nichts!

Die Inszenierung von Klaus Rohrmoser zollt diesem Credo allen Respekt: Das Leiden bleibt Leiden und wird nicht zum Martyrium stilisiert, die Freude verkommt nicht zur billigen Romantik - Piaf, ein Mensch mit göttlicher Stimme.

Und Judith Keller, als La Môme Piaf, der kleine Spatz, spielt die Rolle ihres Lebens. Nicht nur durch ihre frappierende äußere Ähnlichkeit, sondern auch mit der stimmlichen Ausdruckskraft und Kongenialität, mit der sie "LAccordéoniste" oder "Milord" singt und zwischen den Gefühlsextremen wechselt, ohne an einem Punkt ihre Intensität oder Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Dabei treten ihre Bühnenpartner - eine in ihrer Bescheidenheit schöne Eleonore Bürcher, ein väterlicher Günter Lieder oder Birgit Melcher, als Marlene Dietrich - leider nur wenig ins Rampenlicht; was aber an dieser sonst musikalisch (Michael Mader), bühnen- und kostümbildnerisch (Alois Gallé, Michael D. Zimmermann) einwandfreien Darbietung der einzige Kritikpunkt bleibt.

Piaf

Von Pam Gens

Klaus Rohrmoser (Regie)

Mit Judith Keller,

Eleonore Bürcher,

Birgit Melcher und anderen

Landestheater Innsbruck

0512/52074-4

Ausgezeichnet.