Der Autor , einst Aufdecker im Fall Lucona bei der "Wochenpresse", schreibt jeden Samstag seine "Fußnoten".
Der Autor , einst Aufdecker im Fall Lucona bei der "Wochenpresse", schreibt jeden Samstag seine "Fußnoten".

Kein Tag ohne neue Abfangjäger-Hysterie: Zuletzt forderte Verteidigungsminister Norbert Darabos verärgert "mehr Transparenz", weil von Wilhelm Molterers Finanzministerium Steuerakten des EADS-Lobbyisten Erhard Steininger für den parlamentarischen Untersuchungsausschuss stellenweise "geschwärzt" wurden. Darabos selbst aber weigert sich trotz einstimmigem Beschluss des Ausschusses, das Gutachten des Rechtsgelehrten Helmut Koziol über die Chancen für einen Eurofighter-Ausstieg herauszurücken. Ein Theater der Sonderklasse.

Zugleich wird bekannt, dass der Wiener Anwalt Karl Newole bei der EU-Kommission klagte, dass die beim Eurofighter-Ankauf vereinbarten Gegengeschäfte EU-widrig seien. Daran ist nicht nur bemerkenswert, dass damit ein Torpedo gegen die österreichische Wirtschaft abgefeuert wurde, sondern auch, dass Newole weiland Pressesprecher von Ex-Innenminister Karl Blecha war, der ein vielbeschriebener Fan des schwedischen EADS-Konkurrenten Saab (Draken, Gripen) ist (siehe auch "Fußnoten" vom 28. 4. 2007).

Zugleich wird bekannt, dass nicht nur gegen den Abfangjäger-Produzenten EADS-Eurofighter, sondern auch gegen den unterlegenen Mitbewerber Saab Korruptionsvorwürfe vorliegen. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Vorwürfe gegen das Saab-Gripen-Geschäft in Tschechien. Dort sollen mehrere tschechische Parlamentarier bestochen worden sein, um den Abfangjäger-Deal für Schweden zu sichern. Der schwedische Oberstaatsanwalt Christer van der Kwast will auch das nicht zustandegekommene Geschäft mit Österreich unter die Lupe nehmen.

Zugleich wird bekannt, dass als Folge des Absturzes eines Saab-Gripen der schwedischen Luftstreitkräfte für alle Militär-Jets dieses Typs (Version C/D) ein Startverbot erteilt worden ist. Exakt diese Abfangjäger waren von den Sozialdemokraten statt der von der schwarz-orangen Regierung durchgeboxten Eurofighter favorisiert worden.

Nur ein Phlegmatiker geht bei diesem Nachrichten-Bombardement nicht in die Luft.

Irgendwie ist es schade, dass die SPÖ ihr Projekt, eigene Abfangjäger in Österreich zusammenzubauen, nicht zielstrebig genug durchgezogen hat. Der letzte SPÖ-Verteidigungsminister vor Wehrdienstverweigerer Darabos, Otto Rösch, liebäugelte 1978 damit, in einem Assemblingwerk in Wiener Neustadt Militär-Jets des israelischen Typs "Kfir" für Eigenbedarf und Export zu produzieren, nachdem sich davor Bruno Kreiskys Lieblingsidee eines "Austro-Porsche" als Flop erwiesen hatte. Es sollte endlich Schluss mit der nach 1955 zusammengestoppelten Flugzeugpalette gemacht werden, die sich wie eine Verkaufsliste von Ladenhütern der Alliierten ausnahm: Amerikanischen Sportmaschinen und russischen Oldtimern folgten lahme englische und französische Düsengeräte und schließlich die "fliegenden Tonnen" der schwedischen Firma Saab, die zu einem Zeitpunkt angeschafft wurden, als sich die schwedische Luftwaffe zur Einmottung dieser Alt-Flugzeuge entschlossen hatte.

Warum sollte also nicht endlich politischer Erfindergeist in rot-weiß-rot zum Zug kommen?

Wäre das skurrile Rösch-Konzept in Niederösterreich, das von den Russen und Amerikanern gleichermaßen torpediert wurde, verwirklicht worden, hätten wir uns jedenfalls die Endlos-Diskussionen samt Korruptionsvorwürfen beim späteren Draken- und jetzigen Eurofighter-Ankauf erspart. Und es hätte durchaus Charme gehabt, wenn der "Austro-Kfir" mit israelischem High-tech-Know-how just in jenen Hangars und Fabrikationshallen bei Wiener Neustadt hergestellt worden wäre, wo schon während der NS-Ära Kampfflieger gebastelt wurden . . .

fussnoten@wienerzeitung.at