Diesmal nützte der Orden diese Gelegenheit für ein wissenschaftliches Symposion, das die Ordensgeschichte und Verhältnis des Ordens zum Haus Österreich untersuchte. Begleitet wurde die Veranstaltung von Heiligen Messen des Ordens, die zum ersten Mal öffentlich zugänglich waren. Unter den Vortragenden waren neben Karl Habsburg-Lothringen, dem jetzigen Souverän des Ordens, auch in Wien lehrende Historiker wie Lothar Höbelt, Leopold Auer und Elisabeth Kovács.

Renaissance nach dem Ersten Weltkrieg

Seit der Orden im Jahr 1430 von Herzog Philipp dem Guten von Burgund gegründet wurde, verfolgt er das gleiche Ziel: die Verteidigung des katholischen Glaubens und der Kirche. Das Symposion beleuchtete die geschichtlich schwankende Bedeutung des Ordens. Breiten Einfluss und hohes Ansehen genossen Ordensmitglieder vor allem unter Kaiser Karl VI. im 17. Jahrhundert.

Der sinkenden Bedeutung des Ordens unter Kaiser Franz Joseph I. widmete sich Karl Habsburgs Vortrag. Erst nach dem Ende des ersten Weltkriegs hätte es dank der Loyalität einiger Vliesritter zum im Exil lebenden Kaiser eine geistige Renaissance des Ordens gegeben.

Weltliche Privilegien der Ordensmitglieder sind mit dem Ende der Monarchie bedeutungslos geworden. Dass vereinzelt geistliche Privilegien, etwa betreffend die Messfeier, noch heute relevant sind, unterstrich Kaplan Franz Xaver Brandmayer.

Der 30. November ist auch der Ordenstag, an dem neue Mitglieder in den Orden aufgenommen werden. Henri von Luxemburg, dem Großherzog von Luxemburg, wurde diesmal diese Ehre zuteil.

"Die Mitgliedschaft im Orden vom Goldenen Vlies ist im europäischen Hochadel auch heute noch hoch angesehen", erklärte Alexander Pachta-Reyhofen, Kanzler des Ordens, gegenüber der "Wiener Zeitung".

Neben der symbolischen Bedeutung der Mitgliedschaft sei vor allem die gegenseitige Unterstützung der Vliesritter und das Bemühen um "einen tadellosen Lebenswandel" entscheidend. Da viele Mitglieder politisch wichtige Personen sind, hat der Orden auch noch Einfluss. Wertvolle Ordensschätze befinden sich in der Wiener Schatzkammer und im Staatsarchiv.