Die Beiden entsprechen wahrscheinlich nicht dem Bild der Kunden von einem Bankangestellten. Foto: bilderbox
Die Beiden entsprechen wahrscheinlich nicht dem Bild der Kunden von einem Bankangestellten. Foto: bilderbox

Grundsätzlich ergibt sich aus dem Persönlichkeitsschutz das Recht des einzelnen Menschen auf Schutz seiner Privatsphäre. Dieser gestattet es, über Kleidung, Tattoos, Schmuck und Piercings frei zu entscheiden. Dieses Recht ist auch im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses geschützt. Einschränkungen des privaten Bereiches ergeben sich allerdings auf Grund der persönlichen Abhängigkeit des Arbeitnehmers (Bindung an vorgegebene Zeiten und einen Arbeitsort, Weisungen). Bei einer Weisung, das Piercing zu entfernen, muss der Dienstgeber aber beweisen, dass diese zulässig ist, und sie auch entsprechend begründen.

Zulässige Weisung


Einerseits kann sich die Zulässigkeit der Weisung, wie Schals oder weite Ketten nicht mehr zu tragen, aus arbeitnehmerschutzrechtlichen Gründen ergeben. Falls derartige Gegenstände ein Sicherheitsrisiko darstellen (etwa bei der Arbeit an Maschinen), ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, ein entsprechendes Verbot auszusprechen.

Im Fall der im Arbeitsvertrag vereinbarten Beschränkungen bezüglich des Auftretens bestimmt der Arbeitnehmer über den Eingriff in seine Privatsphäre hingegen selbst mit. Daher sind vereinbarte Regeln zum Erscheinungsbild als zulässig anzusehen, sofern nicht jede sachliche Rechtfertigung fehlt oder von einer Schikane auszugehen ist. So kann etwa mit einem im Kundenverkehr tätigen Verkäufer das Tragen eines Anzugs und einer Krawatte rechtswirksam vereinbart werden (falls dies nicht für die betreffende Branche völlig ungewöhnlich und unüblich wäre und dies keinem nachvollziehbaren Verkaufskonzept entsprechen würde).

Was erwarten Kunden?


Falls jedoch eine arbeitsvertragliche Regelung fehlt, so kann der Arbeitgeber nur eine Weisung erteilen. Ein Weisungsrecht des Arbeitgebers ist jedenfalls dort anzunehmen, wo ein bestimmter Standard der Kleidung oder des Auftretens im Geschäft erforderlich ist. Dies ist dann der Fall, wenn das Erscheinungsbild eines im Kundenbereich tätigen Arbeitnehmers nicht dem Verständnis des überwiegenden Teils der Kunden entspricht.

Der Arbeitnehmer, der in seinem Arbeitsvertrag eine bestimmte Tätigkeit in einem solchen Betrieb vereinbart, stellt sich damit auch insoweit in die Verfügungsmacht des Arbeitgebers. Konkret hat dazu der Oberste Gerichtshof die Auffassung vertreten, dass das Tragen einer auffallenden Goldkette über dem Hemd durch einen Bankangestellten vom Arbeitgeber verboten werden kann, weil dies dem Verständnis der Bevölkerung vom Erscheinungsbild eines "Bankbeamten" widerspricht. Dieses Verbot ist auch dann zulässig, wenn zuvor die Goldkette bei der Arbeit geduldet wurde (OGH 8 Ob A 195/98 d).

Somit ist der Arbeitgeber berechtigt (auch bei Fehlen diesbezüglicher Vereinbarungen), dem im Kundenverkehr tätigen Arbeitnehmer eine Weisung zur Entfernung der auffälligen Piercings zu erteilen, weil das Erscheinungsbild des Angestellten den Vorstellungen der Bankkunden widerspricht. Ignoriert der Arbeitnehmer diese Weisung, könnte auch mit Verwarnungen und letztlich mit einer Entlassung reagiert werden.

Der Autor arbeitet in der Wiener Wirtschaftskammer. Die ausführliche Fassung erscheint in der ASoK im Linde-Verlag.