Hackl sei Anfang Oktober gleichzeitig mit Refco-Gründer Phillip Bennett vor die Tür gesetzt worden, schreiben die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) in der Freitagausgabe. Vor seiner Tätigkeit bei Refco sei Hackl Treasury-Chef der Bawag und als solcher für die Aktientransaktionen der Gewerkschaftsbank zuständig gewesen. Zu Refco gewechselt sei Hackl, als die BAWAG noch an Refco einen zehnprozentigen Anteil hielt.Die Frage, ob Hackl bei dem nunmehrigen Kredit-Deal über 425 Mio. Euro eine tragende Rolle gespielt habe, wollte die Bawag laut "OÖN" nicht beantworten. Anzunehmen sei aber, dass dem Finanzchef des Kreditnehmers in einem solchen Deal eine wichtige Rolle zukommt.

Die Zeitung weist darauf hin, dass die Bawag gemeinsam mit Refco auch an der Liechtensteinischen Privatbank Frick & Co. beteiligt ist. Die Bank habe ursprünglich 30 Prozent an Frick gehalten, davon aber 4 Prozent an Refco abgegeben. Das bestätigte auch Frick-Sprecher Gabriel Tschui, den "OÖN". Tschui: "Die Beteiligung von Refco an unserem Haus ist über die Bawag historisch gewachsen." Im Verwaltungsrat der Bank sitzt Thomas Hackl als Vertreter dieser Aktionäre.

25 Prozent an Frick hält auch die Wiener Städtische. Deren Generaldirektor Günter Geyer sagte den OÖN, man habe außer den gemeinsamen Anteilen an der Bank Frick keine Verbindung zu Refco. Die Refco-Beteiligung an Frick sei über die Bawag zu Stande gekommen, so die "OÖN". Der Städtische-Anteil an Frick war zuletzt von Kapital & Wert gehalten worden und vom Städtische-Konzern übernommen worden, bevor sich die Versicherung von 47 Prozent ihrer Anteile an an Kapital & Wert getrennt hat, so eine Sprecherin der Wiener Städtischen zur APA.

Refco mit weniger Schulden und Vermögen

Zu Beginn der gerichtlichen Anhörung im Insolvenzverfahren des US-Brokers Refco hat dieser einen neuen Insolvenzstatus eingereicht, der sowohl bei den Vermögenswerten als auch bei den Insolvenzschulden drastisch reduzierte Zahlen aufweist. So wurde am Mittwoch das Gesamtvermögen der insolventen Firma neuerdings mit 16,5 Milliarden Dollar angegeben - statt der bisher bekannten 48,8 Milliarden Dollar.

Die Verbindlichkeiten wiesen ebenfalls niedrigere Zahlen auf: Hier wurde nun 16,8 Milliarden Dollar statt bisher 48,6 Milliarden Dollar angeführt. Eine Erklärung für die neuen Zahlen war den Gerichtsdokumenten vorläufig nicht zu entnehmen.

Unverändert blieben die Summen in Bezug auf die größten Kreditgläubiger, angeführt von der Bawag. Die österreichische Gewerkschaftsbank wird mit 451,2 Millionen Dollar geführt, gefolgt von Wells Fargo Corporate Trust Services mit 390 Millionen Dollar und VR Global Partners mir 380 Millionen Dollar.

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