schneeschrift, unleserlich

hände eines

versäumten anfangs

hinter wunden fenstern

das wilde fleisch

roter zeilen

auf nadelspitzen

lichte knochen

eine furt von einem

vergessen

zum anderen

die horde zeit stiebt davon

dein dünnhäutiger atem

auf halber höhe

ich hebe das wort

zärtlichkeit hoch

darunter gewürm

wie gesagt

ohne nacht

sind wir

vogelspur

gutdünken

k/ein ziel

die wahrheit

in wahrheit eine lange

gerade in schieflage

eine markierung

tu das weg

ich verstehe das nicht

diese bäume hier

diesen himmel

tu ihn weg

diesen himmel so

dass ich die bäume besser

versteh

wie gesagt

die markierung

eine gerade

eine schräge/ein schwamm

wie gesagt

die zeit ist ein langes jetzt

und die hölle

die hölle ist überall

was alles zur kälte gehört

unnachsichtigkeit

die äussere tiefe

ein löchriger strumpf

weiss ich noch

deinen namen

ich wende mich um

krücken aus dem

kontext gerissen

ein radfahrer fährt zu

einem gespräch

ein tanz gegen die uhr

ein telefonat ins nebenhinaus

wie gesagt

deine einsamkeit

mein leibhaftiges scheitern

wie gesagt

deine einsamkeit

verdoppelt die meine

orakel

(aus einer tüte gummimärchen)

der mond

ein gehälftetes tier

unterjährig porös

auf schlaffer erde

die ferne zunge

wildstill das reh

in den fäden des sommers

altwörter

auf suche nach neuer beschäftigung

wie gesagt

im kalender der tugenden

ist heute montag

der schnee der kann warten

tagebuch

der akteur tritt vor

nimmt alles auf sich

jeder seiner schritte

vorhersehbar

ein ganzer chor unter

seiner leitung denkt in

singreifen sätzen

ein schauen als einziges

das konzept freiheit

als spiel mit stufen

das gelände am sprung

sorgt für unnütze wut

wie gesagt

wenn dem akteur

nichts mehr einfällt was er zeigen

kann erst dann spricht er

aufgehoben

(im gelände)

weiss

nicht weiss

genug schwarz

nicht dunkel genug

der zwischenraum für

das unbunte der farben

zerbrechliches aus

dem abgrund im

unter

holz die wonnen einer

gewöhnung

ein trauernder

bricht in

gelächter aus

wie gesagt

in hongkong malen

sie immer noch

neue rembrandts

improvisation

wellenwillkür

körper ohne bewegung

das licht kommt in übung

tiere mit hörnern

die mindestausstattung

einer zeropferten herde

wie gesagt

im unbewohnbaren alter

am ende einer schraffur

schwimmhäute

zumutung

verharrst vor dem leeren haus

zugereist aus der schwere

der schweren tücher

vorm vorhang

die verständlichen lügen

dahinter die unverständliche

wahrheit

ausgeliefert für einen neuen mond

für eine vielfaltigkeit

nur noch die entscheidung

der schlafenden kinder

fehlt für das handgepäck

der hunger macht uns

vom stand weg unbeirrbar

doch wie gesagt

alle wege verlaufen sich

wohin auch immer

du reist

geschenk

der feste blick

gegen den spalt

die reihe zeigefinger als zaun

und plötzlich so ein

anderer blick da kam

stillstand heraus

dingfest der staub

getürmte tusche

freigestelltes

gitterstäbe herausgelöst

aus dem bild das keiner

vom anderen hatte

wie gesagt

gern legte ich dir

meine scheinwelt

ins samtene oh

Friedrich Hahn liest am 3. 11. um 19 Uhr in der Alten Schmiede aus seinem vor kurzem im Passagen Verlag erschienenen Gedichtband "wie gesagt".