"Du machst das immer!" - "Du genauso!" - "Eine saubere Rechnung sieht anders aus" - etc. ad perpetuum. - © Corbis
"Du machst das immer!" - "Du genauso!" - "Eine saubere Rechnung sieht anders aus" - etc. ad perpetuum. - © Corbis

Wien. "Mir wern kan Richter brauchen." - Das ist zwar ein durchaus geläufiges Sprichwort für Kompromissbereitschaft, in der Praxis gilt aber meist: "Beim Geld hört sich die Freundschaft auf." Und vor Gericht endet die dann wirklich, auch wenn die Frau oder der Herr Rat drängt: "Können Sie sich nicht vergleichen?"

Zwischen faulem Kompromiss und harten Bandagen vor Gericht gibt es allerdings noch eine probate Lösung: die Mediation. Es geht darum, ein rechtlich haltbares Ergebnis zu erzielen, ohne Porzellan zu zerschlagen. "Mediation ist der freiwillige Versuch, mit einem fachlich ausgebildeten neutralen Vermittler die Kommunikation zwischen Streitparteien zu fördern und eine selbst verantwortete Lösung zu finden", definiert das Justizministerium.

"Der Mediator übernimmt weder die Rolle eines Rechtsberaters, noch die Vertretung eines Richters. Er ist Mittler, der mit Sachverstand, geeigneter Methodik und ohne Zwang, durch das Verfahren führt", erklärt Theodor Brinek, Unternehmensberater, Mitglied der ExpertGroup Wirtschaftsmediatoren in der Wirtschaftskammer und beim Justizministerium eingetragener Mediator. Und weiter: "Schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit kann dies zu einer umfassenden Vereinbarung führen, die dann, wenn erforderlich, von Anwälten in ein entsprechendes Vertragswerk gegossen werden kann."

Oft geht es ums Geld

In der Wirtschaftsmediation unterscheidet man grob zwei Richtungen: Mediation innerhalb des Unternehmens - etwa bei Konflikten zwischen Gesellschaftern oder zwischen Chef und Mitarbeitern - und Mediation zwischen zwei oder mehreren Firmen.

Da wiederum geht es in vielen Fällen um das Zahlen von Rechnungen, um das Inkasso, um Haftungen für Mängel, um Verantwortlichkeiten, und das sehr oft am Bau. "Wenn man einen Kunden klagt, ist er meist Kunde gewesen", führt man bei "Mira", ein auf Inkassofragen spezialisiertes Mediationsunternehmen, ins Treffen. Dazu wird ein Beispiel geschildert: Ein Generalunternehmer beauftragt eine Reinigungsfirma, einen Bürokomplex für die Übergabe an den Bauherren zu reinigen. Dabei kommt es zu Wasseraustritten, die Parkettböden werden schwer beschädigt. Der Generalunternehmer lässt die Schäden wegen Termindrucks umgehend reparieren, gibt der Reinigungsfirma die Schuld und kürzt ihr um diesen Betrag den Werklohn. Die wiederum sagt, sie habe keine Gelegenheit gehabt, den Sachverhalt zu prüfen, und fordert den vollen Werklohn.