Die "Beziehungsarbeit" zum Künstlerhaus zeigt sich auf verstellbarem Rollrahmen als radikaler Einschnitt im eigenen Haus. Wie er geplant war, konnte er allerdings nicht stattfinden, weil sich die Künstlerhaus-Mitglieder 1966 nicht auf den Abriss des Ringstraßenzeitbaus einigen konnte, dem ein Neubau von Karl Schwanzer folgen sollte. Diese Pläne, gemeinsam mit der Firma IBM, waren bereits vom Bundesdenkmalamt abgesegnet, die Entscheidung knapp. Man hielt damals nichts von der Architektur des Historismus und wollte ein modernes Ausstellungshaus.

Der Rollrahmen steht in einer losen Beziehung zu Wolf Vostells Siebdruck mit Entwurf für ein Drive-in-Museum von 1970, in Form von zwei TV-Geräten auf einem Autobahnkreuz. Dabei ist die Resistenz gegenüber wirtschaftlicher Vereinnahmung wesentlich; daher sind Fluxus und Neo-Dada die Ausgangspunkte einer Untersuchung der Schnittstelle zwischen der Produktion des Künstlers und dem Ort, der Institution. Eine anhaltend spannende Beziehungskiste, für die Kurator Martin Fritz nicht nur Hochwertiges miteinander konfrontiert, sondern schließlich den Übertitel Beziehungsarbeit wählte.

Divergierende Aspekte

Üblicherweise handelt es sich um Werke der Institutionskritik, die in der Kunsttheorie allgegenwärtig ist. Theorie ist aber keinesfalls zwangsläufig grau, wie sich in den einigermaßen schwierig zu bespielenden Räumen des Erdgeschoßes im Künstlerhaus erschließt. Die Aspekte sind so vielfältig, dass es vom Museum der Träume einzelner Künstler wie Walter Pichler, Rémy Zaugg oder Ulrich Rückriem im privaten Bereich bis zu ephemeren, minimalen Eingriffen eine Fülle an Vorschlägen gibt.

Im Eingang empfängt Brigitte Pamperl mit aktuellen Interviews von 48 Mitgliedern des Künstlerhauses, die sich hier Gehör verschaffen, und Christian Helbock stellt seine 2010/11 laufende Diskursschiene "Produktion und Schwesternfelder" in Videos dar; weiters gibt es einen Büchertisch von Michael Asher zur Thematik.

Wieder aus der Versenkung gehoben hat Fritz einen vergessenen konzeptuellen Aktionisten, nämlich Christopher DArcangelo, der sich, nach minimalen Interventionen in bekannten amerikanischen Museen und dem Louvre (etwa unautorisiertes Bildabhängen), mit 24 Jahren 1979 das Leben nahm. Seinem Konzept einer ephemeren Praxis entsprechend, darf die Dokumentationsmappe nicht reproduziert werden. Fiktive Museen und utopische Modelle gibt es von James Lee Byars, Katharina Fritsch und Thomas Schütte. Das sarkophagartige, ironisch "Amusement" genannte Modell Schüttes von 2002 steht in einer Fernbeziehung zu Robert Smithsons "Underground Projection Room" von 1971.

Dan Graham bietet ein "New Design for Showing Videos", und Martin Beck lässt die Recherche über das an Aussagen reiche "Display" von Ausstellungen auch historisch Revue passieren. Kollektive Urheberschaft, aber auch Immaterialität war schon 1958 für Yves Klein und Werner Ruhbau 1958 mit Jean Tinguely und anderen im Musiktheater von Gelsenkirchen wichtig.

Die Verquickung der soziologischen und politischen Bedingungen haben 1959 Hans Haacke schon als Student zu besonderen Fotonotizen über das Publikum bei der "documenta 2" veranlasst. Dieser frühe interaktive Ansatz wendet sich später auch in wichtige feministische Statements wie jene der Guerrilla Girls oder rezente "Einlasspolitiken" bei der Berlinbiennale 2010 von Marlene Haring. Und schließlich erinnert uns Marko Lulic mit der Schrift-Intervention "Museum of Revolution" 2011 am Zwanzgerhausneubau an ein von Tito projektiertes, nie gebautes Museum in Belgrad 1961.

Ausstellung

Beziehungsarbeit
Kunst und Institution

Martin Fritz (Kurator)

Künstlerhaus UG

Zu sehen bis 16. Oktober