Von gravierenden Problemen will man in dem Papier nichts wissen: "Für das Ausstellungsprojekt ist die notwendige Genehmigung der Verwaltungsbehörden erteilt worden, 86 Werke Dürers aus der Albertina in den Prado zu bringen." Letztere befänden sich bereits vor Ort und "werden für die Ausstellung vorbereitet". Ebenso betont wird die hochqualitative Zusammenarbeit: Schließlich wurde "während der gesamten Vorbereitungsphase ein höchstes Maß an Professionalität und die höchsten konservatorischen Maßstäbe angelegt, die üblicherweise in unser beider Institutionen Voraussetzung sind".

Und ebendiese Qualitätsstandards werfen die Häuser nun in die Waagschale, um etwas auszuräumen, das sie selbst als "geringfügige Meinungsverschiedenheit" bezeichnen: Die Weigerung des Bildungsministeriums, fünf der Dürer-Originale - darunter den berühmten "Feldhasen" - aufgrund ihres prekären Zustands länger als vier Wochen im Prado zu belassen. Beide Museen sind zuversichtlich, "dass die besonderen Maßnahmen, die von den Kuratoren und Konservatoren (. . .) vorgeschlagen wurden, von den Behörden gutgeheißen werden und die Ausstellung wie ursprünglich geplant stattfinden kann."

Ob dies in der zuständigen Sektion des Bundesministeriums Gehör findet, bleibt abzuwarten. Derzeit plant man dort ein Schreiben an die Bundesmuseen, in dem diese auf die korrekte Vorgangsweise im Leihverkehr hingewiesen werden. Das Schreiben habe aber nicht den Charakter einer Weisung, sondern sei eher ein "Informationsschreiben", hieß es aus dem Ministerium.

Scharf kritisierte unterdessen die SPÖ die Vorgänge: In einer parlamentarischen Anfrage an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ortet SP-Kultursprecherin Christine Muttonen "Defizite in der Museumspolitik".

Dass der Verleih der Meisterwerke jüngst nicht zuletzt als ein "Gegengeschäft" unter internationalen Museen gerechtfertigt wurde, scheint jedenfalls schwer nachvollziehbar: Für die Wiener Dürer-Ausstellung 2003 hatte der nun großzügig belieferte Prado nur ein Werk zur Verfügung gestellt.