Über 900 Kilometer zog sich der Eiserne Vorhang, der bis zum Jahr 1989 die Tschechoslowakei vom Westen trennte. Die Absperrungen aus Stacheldraht und Wachtürmen waren dabei ein gutes Stück ins Landesinnere verlegt. Vor den eigentlichen Befestigungen befand sich vor 1989 ein Sperrgebiet von mehreren Kilometern Ausdehnung, das nur mit einer speziellen staatlichen Lizenz betreten werden durfte. Flüchtlinge, die die Befestigungen überwunden hatten befanden sich zunächst also immer noch auf tschechoslowakischem Boden und konnten als "Republikflüchtlinge", erschossen werden.

Tod im Minenfeld

Die Prager Behörde für Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus (UDV) hat jetzt nach mühevoller Kleinarbeit die genauen Opferzahlen ermittelt. (Die "Wiener Zeitung" berichtete). Demnach sind 282 Flüchtlinge in den Jahren 1948 bis 1990 im Todesstreifen der Ex-Tschechoslowakei ums Leben gekommen.

In den 50er Jahren standen die Drahtzäune sogar unter Hochspannung. Daneben gab es Minenfelder, abgerichtete Hunde, und Grenzsoldaten, die die Anweisung hatten, auf Flüchtige zu schießen. Bekannt ist etwa der Fall eines Soldaten, der einen Familienvater vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder erschoss und dafür einen Orden erhielt - weil er den Schuldigen erwischt und "Frau und Kinder geschont" hatte. Nach Angaben der UVD gegenüber "Radio Prag" wurden die meisten Flüchtigen zwischen Februar 1948 bis Mitte der 50er Jahre erschossen. Hohe Opferzahlen gab es auch 1945 und 1948, noch vor der Errichtung des eigentlichen Eisernen Vorhangs. Damals schossen die Grenzschützer vor allem auf vertriebene Deutsche, die - als Ortskundige - über die Grenze schlichen, um Habseligkeiten zu retten, wie Alfred Bäcker von der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich gegenüber der "Wiener Zeitung" bestätigt. Auch nach 1948 kamen laut UVD-Bericht Ausländer an der Grenze ums Leben, vor allem DDR-Bürger, Polen oder Ungarn. Auch 14 Österreicher wurden dabei getötet. Bemerkenswert ist die Zahl der Grenzsoldaten, die an der Grenze umkamen. Nach den Erhebungen der UVD bezahlten 648 zumeist junge Männer ihren Dienst mit dem Leben. Nur die wenigsten fielen bei Schusswechseln. Der Großteil dieser Soldaten starb bei Minenexplosionen, geriet selbst in den Starkstrom, erlitt andere Unfälle oder beging Selbstmord.