Die Ursachen lagen wohl in der autoritären Staatsführung des Königs und in den von den Serben ziemlich kompromisslos unterdrückten Autonomiebestrebungen der Kroaten. Der Mord an dem serbischen König löste europaweit eine äußerst kritische Situation aus, weil Freunde und Gegner der serbischen Regierung betont feindselige Positionen gegeneinander einnahmen. Die Konfliktlinien von damals haben sich in großen Zügen bis in die Gegenwart fortgesetzt.

Machtkampf zweier Familien

König Alexander I. Karageorgievic, seit 1914 serbischer Regent und seit 1918 Regent des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, bestieg nach dem Tod seines Vaters, König Peter I., am 16. August 1921 den Thron. Dazu eine kurze Rückblende: Peter I. aus dem Hause Karageorgievic war 1903 nach dem Mord an König Alexander I. aus dem Haus Obrenovic und Königin Draga auf den serbischen Thron gekommen. Peter Karageorgievic war, unterstützt von Russland, nicht unwesentlich an dem Mord am serbischen Königspaar beteiligt und wurde sofort nach dessen Beerdigung zum neuen König ausgerufen: Ergebnis des erbitterten Streites zweier altserbischer Familien, der Karageorgievic und der Obrenovic, um die Herrschaft in ihrem Land. Wie bis in die Gegenwart betrachteten auch damals die Großmächte den Balkan als Tummelplatz für ihre egoistischen Kräftespiele.

Die Beziehungen Alexanders I. Karageorgievic zur serbischen Geheimorganisation "Schwarze Hand", deren Mitglied Gavrilo Princip den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand ermordete, sind bis heute ungeklärt. Jedenfalls weiß man, dass Alexander einige Feindbilder pflegte, von denen er sich nicht abbringen ließ: die ungarische Revision, die habsburgische Restauration und die Politik Italiens im Donauraum und am Balkan.

Königsdiktatur

Nachdem in den 20er-Jahren vor allem die kroatischen Nationalisten gegen die zunehmende Vorherrschaft der Serben im gemeinsamen neuen Staat protestierten, schaffte König Alexander das Parlament und die Verfassung ab und errichtete eine Königsdiktatur. Am 3. Oktober 1929 änderte er den Namen des Staates in Jugoslawien. Trotz seiner fortgesetzten Versuche, die verschiedenen ethnischen, religiösen oder regionalen politischen Gruppen zusammenzuführen, erreichte er es nie, eine gemeinsame Regierung der verschiedenen streitenden Parteien zu bilden.

1933 gelang es ihm, die Beziehungen zu Bulgarien zu verbessern und Jugoslawien in die Kleine Entente mit der Tschechoslowakei und Rumänien zu bringen. Am 9. Februar 1934 schloss Jugoslawien mit Griechenland, Rumänien und der Türkei den Balkanpakt.

Dem nationalsozialistischen Putschversuch in Österreich und der Ermordung von Bundeskanzler Dollfuß am 25. Juli 1934 folgte eine aggressive Pressepolemik, in der jugoslawische Medien Österreich als italienischer Satelliten bezeichnet und die österreichischen Medien Jugoslawien zum Bundesgenossen der nationalsozialistischen Putschisten stempelten. Tatsächlich hatte sich die jugoslawische Außenpolitik für einen "Anschluss" Österreichs an Deutschland als dem kleineren Übel gegenüber einer italienischen Dominanz im Donauraum entschieden. Jugoslawien drohte auch mit der sofortigen Mobilisierung, wenn italienische Truppen österreichischen Boden betreten würden. Am 1. Mai 1934 schlossen Deutschland und Jugoslawien einen umfassenden Handelsvertrag.

Frankreich sah seinen traditionell großen Einfluss in Jugoslawien schwinden. Der französische Außenminister Louis Barthou lud daher den jugoslawischen König nach Paris ein.

Trotz Attentatswarnungen

Der König und die Königin von Jugoslawien reisten trotz Warnungen vor Attentaten am 7. Oktober 1934 nach Paris zu einem Staatsbesuch. Der König mit Außenminister Jeftic mit dem Kreuzer "Dubrovnik" auf dem Seeweg über Marseille, die Königin reiste auf dem Landweg über die Schweiz. Der Besuch sollte auch zur Klärung der zwischen Italien und Jugoslawien bestehenden Differenzen durch französische Vermittlung dienen.

Nach seiner Landung am 9. Oktober in Marseille begab sich König Alexander in Admiralsuniform, begleitet vom französischen Außenminister Barthou, in einer offenen Limousine in die Stadt. Nach zehnminütiger Fahrt durchbrach am Börsenplatz ein Mann die Absperrungskette, schwang sich auf das Trittbrett des Wagens und gab mehrere Schüsse ab. Der König und Barthou wurden tödlich getroffen und starben kurze Zeit darauf. Der Täter, Welitschko Kerin-Dimitrof, wurde auf der Stelle überwältigt, von einem französischen Offizier mit einem Schwerthieb schwer verwundet und starb noch am selben Abend.

Bereits am nächsten Tag erließ die jugoslawische Regierung eine Proklamation, in der sie bekannt gab, dass der erstgeborene, minderjährige Sohn des ermordeten Königs als König Peter II. den Thron besteige. Der Regentschaftsrat, der für den minderjährigen König Peter II. die königliche Gewalt ausübte, bestand nach dem Testament des Ermordeten aus Prinz Paul Karageorgjevic (einem Vetter des ermordeten Königs), dem Leibarzt und früheren Unterrichtsminister Univ. Prof. Radenko Stankovic und dem Banus des Savebanats, Ivo M. Perovic.