Der Plan der Schutzbündler, sich über die Grenze nach Jugoslawien in Sicherheit zu bringen, war nicht mehr zu realisieren und Wallisch lehnte das Ansinnen ab, sich allein in Sicherheit zu bringen.

5.000 Schilling Kopfprämie der Regierung

Wie die ungarische Historikerin Katalin Soos in ihrer 1990 im Europaverlag erschienenen Biografie Wallischs schrieb, gab es in diesen Tagen die wildesten Gerüchte über das Schicksal Wallischs. So wurde verbreitet, dass er während der Kämpfe in Bruck gefallen sei und in der Heimwehr-Presse hieß es, Arbeiter hätten Wallisch in Stücke gerissen und Gendarmen hätten seinen Kopf im Wald gefunden.

Die Regierung setzte zuerst ein Kopfgeld von 1000 Schilling auf den gesuchten Politiker aus, das dann auf 5000 Schilling erhöht wurde. 300 Gendarmen waren an der Suche beteiligt.

Der militärische Leiter des Republikanischen Schutzbundes von Bruck, Hubert Ruhs, der mit Wallisch gemeinsam vom Standgericht zum Tode verurteilt, aber dann begnadigt wurde, hatte sich schon am 13. Februar von seinen Untergebenen getrennt und sich am 15. Februar in der Polizeidirektion in Graz den Behörden gestellt.

Verrat durch einen Bahnbus-Chauffeur

Wallisch, der sich inzwischen mit seiner Frau getroffen hatte, die - wie sie in ihren Erinnerungen schreibt - ebenfalls tagelang in Heustadeln versteckt gelebt hatte, versuchte in einem Taxi zu entkommen, wurde aber nach einem Unfall am 18. Februar in der Nähe von Liezen vom Chauffeur eines Bahnbusses erkannt und angezeigt.

Im Bericht des Landesgendarmeriekommandos Steiermark heißt es: "Unvermutet tauchte aber Wallisch am 18. Februar bei Liezen auf. Die Gendarmerie Liezen wurde von einem Bundesbahnchauffeur in Kenntnis gesetzt, dass er auf der Straße Admont-Liezen einem braunen Auto begegnet sei, in welchem sich Koloman Wallisch befunden habe. Auf Grund dieser Meldung traf der GendAbteilungskommandant Stabsrittmeister Rudolf Sager sofort alle Vorkehrungen, um Wallisch abzufangen und beteiligte sich selbst mit einem requirierten Auto an der Aktion. Ungefähr 3 Kilometer außerhalb Liezen wurde das braune Auto umgestürzt und leer in einem Straßengraben gefunden. .... Kurz darauf hielt der Schutzkorpsmann Franz Horn in der Ortschaft Reittal einen Mann und eine Frau an, in denen Rev.Insp. Wiesauer, der gerade dazukam, Koloman Wallisch und seine Frau erkannte. Rev.Insp. Wiesauer stellte die beiden sofort mit angehaltenem Gewehr, worauf sich Wallisch widerstandslos verhaften ließ.

Das Standgerichtsverfahren gegen Wallisch fand am Nachmittag des folgenden Tages in Leoben statt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, sagte Wallisch wörtlich: "Wenn Starhemberg, der den Tiroler Heimatschutz aufgeboten hat und Arbeiterheime besetzte und in Tirol die Regierung entsetzte und mit Gewalt die Verfassung brach, sich schuldig fühlt, dann fühle ich mich, aber längst nicht so wie er, auch schuldig". Als ihn der Vorsitzende in seiner Verteidigungsrede unterbrach und fragte, ob er glaube, eine Versammlungsrede halten zu müssen sagte Wallisch: "Herr Präsident vergessen Sie nicht, dass ich das letzte Mal in meinem Leben eine Rede halte!" Und dem Staatsanwalt, der ihm ebenfalls ins Wort fallen wollte, entgegnete er: "Schweigen Sie! Es geht um meinen Kopf und nicht um den Ihren!"

Um 20.40 Uhr wurden die beiden Todesurteile gefällt. Ruhs reichte ein Gnadengesuch ein, das von Justizminister Schuschnigg an den Bundespräsidenten weitergeleitet wurde. Das Gnadengesuch, das Wallischs Anwalt für seinen Klienten schrieb, wurde nicht weitergeleitet. Die Hinrichtung war für 23.40 Uhr angesetzt. Koloman Wallisch durfte noch von seiner ebenfalls gefangenen Frau Paula und drei Schutzbündlern Abschied nehmen.

Im Schlusskapitel ihrer Erinnerungen schildert Paula Wallisch das letzte Zusammentreffen: "Du hast so viel mit mir durchgemacht, aber Du bist die Frau eines Rebellen und musst noch einmal tapfer sein! Oder soll ich zusammenbrechen? Sollen diese Halunken über mich triumphieren? Sollen sie?" sagte Koloman Wallisch zu seiner weinenden Frau. ... "Ich küsste sein Gesicht ab, seinen Hals, seine Hände, immer wieder, immer wieder, dann küsste auch er mich, drückte mir nochmals die Hände und schob mich sachte zur Tür hinaus."

In ganz Leoben hatte sich keine Firma bereit gefunden, im Hof des Gefängnisses den Galgen zu errichten und auch der aus Wien mit zwei Gehilfen eingetroffene Henker wurde in drei Hotels der Stadt abgewiesen.

Ein Blumenmeer auf dem heimlichen Grab

Koloman Wallischs Leichnam wurde in der Nacht in aller Heimlichkeit auf dem Friedhof begraben und die Grabstelle unkenntlich gemacht. Am nächsten Morgen war sie blumenübersät. Die Polizei ließ die Blumen entfernen - tagelang, bis der Friedhofsaufseher, ein Heimwehr-Mann einen Brief bekam: "... wenn Du wieder unsere Blumen wegwirfst, wirst auch Du verschwinden..." Da ordnete der Pfarrer an, die Blumen auf dem Grab liegen zu lassen.

Paula Wallisch, die am 21. April in einer Schwurgerichtsverhandlung zu einem Jahr Haft verurteilt und aus gesundheitlichen Gründen für einen Sanatoriumsaufenthalt bedingt freigelassen wurde, durfte das Grab ihres Mannes nicht besuchen. Der Untersuchungsrichter drohte ihr, dass sie sofort wieder zurück ins Gefängnis müsse, wenn sie die Grabstätte aufsuche.