Nicht einmal in diesen Tagen, in denen die Welt erschüttert vom zerstörerischen Wahnsinn in ihren Alltagsgedanken und kleinlichen Händeln innehält, schaffen es manche Boulevardprodukte, sich von ihrem ohnehin schon pathologischen Prominentenwahn zu lösen. Kaum hatten sich Staub und Rauch dieser apokalyptischen Wirklichkeit ein wenig gelegt, las man schon in den Gazetten, welche Models und Adeligen und Prinzessinnen auf welche wundersame Weise dem Inferno entkommen waren, so eine gewisse Fergie und das norwegische Brautpaar, ein paar Filmschauspieler und so genannte Stars. Damit wir uns nicht missverstehen: Schön, dass die eine im Stau und die anderen ganz weit weg waren. Gratulation. Schön, dass es ein paar Models nicht zum Catwalk schafften, der in diesen Unglücksgebäuden aufgebaut war. Wir drücken unsere Erleichterung aus, wie für alle, die auf wundersame Weise in der Nähe waren und nicht in diesen Wahnsinn hineingerissen wurden.

Aber was interessiert uns in diesen Tagen und Wochen, was ein paar synthetisch aufgebaute Prominente erlebten? Es wäre eine Geste des tätigen Mitleids gewesen, uns diesen Informaitonsschund endlich einmal eine Zeit lang zu ersparen.

Es ist in normalen Zeiten ja schon noch kaum zu ertragen, was an fürchterlichen Belanglosigkeiten und Dummheiten verbreitet wird, in deren Zentrum irgendwelche "Ex-So-und-so-Show-Moderatorinnen", "Mega-Giga-Super-Models" oder auch einfach nur entfernte Verwandte beliebiger Adelshäuser, ehemalige Pornodarstellerinnen, abgelegte Ehefrauen und Ehemänner, schlagzeilenträchtig geschiedene Kitschglucken und was weiß ich wer alles noch abgelichtet und sogar noch in aller Ausführlichkeit zitiert - ja mehr noch: interviewt - werden.

Wo immer heute eine Scheidungsschlacht geschlagen ist, wo immer ein nicht einmal halbwegs begabtes Moderatorensternchen auf einer überflüssigen Fete erscheint, trabt mit gnadenloser Sicherheit einer dieser Schreiber an, oft in Begleitung willfähriger Boulevardpsychologen, und bläst den trivialen Vorfall zu einer Marienerscheinung auf.

Haltet doch mal ein, möchte man rufen. Aber nein, das hört nicht auf. Niemand kommt auf die Idee, als einfache Geste gegenüber den namenlosen Frauen und Männern, die einem Irrsinn zum Opfer gefallen sind, einfach einmal ein paar Tage auszusetzen und dieses "Prominentenproletariat" (Copyright Fruttero/Lucentini) aus den Gazetten zu verbannen. Will es das Publikum nicht anders? Braucht das Publikum diese mentale Dröhnung mit Nichtigkeiten so beständig, dass die bloße Rückkehr zu einer stillen Normalität, und sei es auch nur für ein paar Tage, nicht denkbar ist? Sicher ist, dass es Medien gibt, die nur davon leben, Prominentenbildchen zu publizieren, und dass es einen Haufen Leute gibt, die nur dadurch prominent werden, dass sie in diesen Medien abgelichtet und zitiert werden, egal, worum es geht. Sie haften wie Kletten an der Kultur einer allzeitigen Öffentlichkeit und halten sich tatsächlich für etwas Besonderes. Aber vielleicht geht es umgekehrt: Schauen wir einfach eine Zeit lang nicht hin. Sie sind unwichtig. Absolut unwichtig.