Die Geburtsurkunde für das östlichste Bundesland Österreichs wurde in Frankreich ausgestellt. Mit dem Friedensvertrag von St. Germain-en-Laye vom 10. September 1919 wurden Österreich die westlichen Teile der ungarischen Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg zugesprochen. Die deutschsprachige Bevölkerung dieses Landstrichs hatte in unterschiedlichsten Aktivitäten ihren Willen zur Angliederung an Österreich bekundet. Seit Jahrhunderten kulturell, aber auch wirtschaftlich eng mit den benachbarten Ländern Niederösterreich und Steiermark verbunden, war es für viele Menschen, meist Bauern und Wanderarbeiter, eine Existenzfrage, Absatzmarkt und Arbeitsplatz zu behalten.

"Republik Heinzenland"

Eine Episode auf diesem Weg war die Ausrufung einer eigenen "Republik Heinzenland" am 6. Dezember 1918 in Mattersburg. Der Versuch wurde durch einen ungarischen Gegenschlag schon im Keim erstickt, der Anschlusswille weiter Kreise der Bevölkerung ließ sich aber nicht mehr brechen. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von St. Germain begann erst der eigentliche Kampf um das spätere Burgenland. Ungarn, das am 4. Juni 1920 den Friedensvertrag von Trianon unterzeichnete, wollte den Gebietsverlust nicht ohne weiteres hinnehmen.

Erst am 17. Juli 1921 wurde der Friedensvertrag von Ungarn ratifiziert, die Übergabe des Burgenlandes für 28. August 1921 festgesetzt. Als österreichische Gendarmerie und Zollwache ins Burgenland einrückten, stießen sie auf den bewaffneten Widerstand ungarischer Freischärler. Die Österreicher wurden zum Rückzug gezwungen. Am 5. September kam es auf niederösterreichischem Gebiet - bei Kirchschlag - zu einem Gefecht, bei dem es Tote und Verletzte gab.

In dieser schwierigen Situation bot sich Italien als Vermittler an. Im "Venediger Protokoll" vom 13. Oktober 1921 verpflichtete sich Ungarn zur Abtretung des Burgenlandes, im Gegenzug stimmte Österreich einer Volksabstimmung in Ödenburg und acht benachbarten Landgemeinden zu.

Im November begann dann die neuerliche Besetzung des Burgenlandes durch Österreich. Die Abstimmung um Ödenburg fand Mitte Dezember statt. Unter äußerst fragwürdigen Umständen sprachen sich 65 Prozent für den Verbleib Ödenburgs bei Ungarn aus. Ein herber Verlust für das kaum geborene Burgenland, das damit seine Metropole einbüßte.

Die Landesverwaltung des Burgenlandes entsteht

Schon 1919 hatte man in Wien mit den Vorarbeiten zur Übernahme des Burgenlandes begonnen und mit einem Bundes-Verfassungsgesetz 1921 die entsprechenden Weichen gestellt. Mit Jahresbeginn 1922 übersiedelte die "Verwaltungsstelle für das Burgenland" von Wiener Neustadt nach Sauerbrunn und der am 18. Juni 1922 erstmals neu gewählte Landtag trat in der Kaserne von Eisenstadt zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Die Entscheidung über eine neue Landeshauptstadt zog sich über Jahre hin: Erst 1925 wurde Eisenstadt als Sitz des Landtages und der Landesverwaltung bestimmt. In der Nazi-Zeit verlor das Burgenland seine Selbständigkeit wieder. Das Land wurde auf die Gaue Steiermark und Niederdonau aufgeteilt. Und sollte auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges und des Tausendjährigen Reiches aufgeteilt bleiben, zumindest nach den Vorstellungen der Provisorischen Staatsregierung. Burgenländische Politiker aus ÖVP, SPÖ und KPÖ kämpften zäh um ein eigenständiges Bundesland und setzten sich durch; mit 1. Oktober 1945 wurde das Burgenland formal wieder errichtet.