Während die anderen Funktionäre nach Hause fahren durften, wurde Ruth Fischer im Hotel Lux, dem Sitz der Komintern, in Hausarrest zehn Monate lang festgehalten. In dieser Zeit wurde sie aus der KPD ausgeschlossen, Thälmann übernahm den Vorsitz. Durch Neuwahlen verlor sie auch ihre Mandate.

Emigration

Als dies alles erledigt war, durfte sie heim nach Berlin. Sie meldete sich arbeitslos, wurde im Hinblick auf ihr Soziologiestudium als Sozialhelferin eingeschult und danach im Berliner Sozialamt angestellt. Nach der Machtergreifung Hitlers floh sie - mit ihren dritten falschen Papieren, diesmal als Maria Ida Schmidt - nach Paris, wo sie in Zeitungsartikeln die kommunistische Idee gegen den Stalinismus vertrat. 1936 wurde sie in Moskau wegen Verschwörung zur Ermordung Stalins in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

1940 floh Ruth Fischer über Marseille und Lissabon nach New York. Sie war durch eine zweite Scheinehe französische Staatsbürgerin geworden und hieß jetzt Maria Elfriede Pleuchot. In den USA enthüllte sie ihre wahre Identität und fand daraufhin eine gut bezahlte Stellung als Kommunismus-Expertin an der Harvard-Universität. Sie bekam bald auch einen amerikanischen Pass, nun auf ihren fünften legalen Namen, kombiniert aus zwei früheren: Elfriede Eisler-Pleuchot.

1945 entsandte sie die Harvard-Universität zur Beobachtung des Kommunismus nach Paris, wo ihr zwei Sekretärinnen bezahlt wurden, eine für englische, die zweite für deutsche und französische Texte. Ruth Fischer war eine äußerst fleißige Publizistin und hielt auch viele Vorträge. Moskautreue Kommunisten bekämpften sie wütend als amerikanische Agentin und Vorkämpferin im Kalten Krieg. Nach Stalins Tod interessierte sie sich lebhaft für die Veränderungen unter Chruschtschow und veröffentlichte darüber 1958 ein zustimmendes Buch "Die Umformung der Sowjetgesellschaft - Chronik der Reformen 1953-1958."

Ruth Fischer unternahm mehrere Vortragsreisen in die Bundesrepublik Deutschland. Nach Wien wagte sie sich erst nach dem Ende der Besatzungszeit. Ihr privater Besuch bei ihrem Neffen, dem Maler Georg Eisler, im Jahre 1957 blieb hier unbeachtet. Sie war in ihrer Heimat so gut wie vergessen. Ruth Fischer starb am 13. März 1961 in Paris und wurde im Friedhof von Montparnasse beigesetzt.