Heute schränken viele Nutzer eine Suchanfrage in der Suchmaschine ihres Vertrauens gleich mit dem Wort "Wiki" ein. Das hat zur Folge, dass die Wikipedia-Seite zum Suchbegriff als erste Meldung aufscheint. Damit hat sich die Suche auch schon wieder beendet: Steht es in Wikipedia, hat man die Info schon gefunden. Die Suche ist damit zu Ende.

Dass das Netz heute für viele Menschen eine rasche Methode ist, sich zügig über einen Sachverhalt zu informieren, ist das Verdienst jener "Spinner", die an die Idee von Wikipedia geglaubt haben: dass sich wirklich Leute finden, die ehrenamtlich und kostenlos Wissen generieren und anderen zur Verfügung stellen. Deren einziger Lohn: die Anerkennung der Community der Wiki-Autoren.

Das Konzept ging voll auf. Wikipedia hat heute quasi eine Monopolstellung für die Wissensvermittlung im Internet. Dafür, dass dieses Monopol nicht missbraucht wird, sorgen die selbstreinigenden Prozesse des Systems: Da jeder jeden Text beliebig redigieren kann, überleben meinungslastig gefärbte Text oft nicht einmal die ersten Minuten im Netz. Jeder Text ist sozusagen ab dem Entstehen dem mitunter tatkräftigen Urteil der anderen User ausgesetzt. Das schafft eine Art demokratischen Prozess bei der Generierung von Wissen.

Wikipedia hat aber auch zu einer nie dagewesenen Demokratisierung des Wissens geführt. Noch nie war es leichter, sich schnell und absolut kostenlos über noch so spezielle Bereiche des menschlichen Wissens zu informieren. Niemand braucht sich mehr einen teuren Anatomie-Wälzer zu kaufen, um einen Überblick über den Körper zu bekommen. Verschiedene Wikipedias in verschiedenen Sprachen sorgen zudem dafür, dass auch Sprachbarrieren bei der Vermittlung von Wissen sukzessive wegfallen. Vor allem Wikipedias in Sprachen, die politisch unter Druck stehen oder gar vom Aussterben bedroht sind, sind unschätzbar. Sie machen Wissen auch jenen zugänglicher, die sonst keinen Zugang zu Bildung in ihrer Sprache hätten. Das gilt natürlich nur für jene, die das Web benutzen können.

Doch die demokratischen Prozesse bei Wikipedia führen natürlich auch dazu, dass um die Darstellung von Sachverhalten wahre Schlachten geführt werden. Wer im Web gut wegkommt, hat schon so gut wie gewonnen. Diese "Edit-Wars", also die Kriege um die Texte, illustrieren die Bedeutung, die Wikipedia etwa für politische Lobbys hat. Das zeigt sich daran, dass an Seiten von Politikern oder Parteien gar nicht mehr herumgebastelt werden kann, wenn man kein Stammautor ist.

Wikipedia hat also in gewissem Sinne für Ordnung im Chaos des Netzes geführt. Eine Ordnung, die sich die Nutzer sozusagen selbst geschaffen haben - nachdem ja auch keine übergeordnete Autorität existiert, die dafür hätte sorgen können. Wikipedia ist damit ein einzigartiges Phänomen, das sich durchgesetzt hat. Und es ist gekommen, um zu bleiben.