Er ist bereits 57, wohnt vorwiegend in London und mag Rennpferde über alles: Philippe Niarchos, ältester Sohn des legendären Schiffs-Tycoons Stavros Niarchos, zählt zu den reichsten Griechen. Er hat die prachtvolle Kunstsammlung seines Vaters mit Werken von Rubens, van Gogh, Picasso oder Warhol geerbt - die Kollektion soll die weltweit wertvollste in privater Hand sein. Ein Appell des griechischen Parlamentspräsidenten an seinesgleichen ließ ihn allerdings kalt: Filippos Petsalnikos hatte einen "Unterstützungsfonds für Griechenland" vorgeschlagen, in den einheimische und im Ausland lebende Superreiche einzahlen hätten sollen.

Onassis und Niarchos - zwei Namen, die für unermesslichen Reichtum made in Griechenland stehen - beobachten aus sicherer Distanz, was für eine dramatische Misere sich in Athen abspielt. Das Rettungspaket der EU scheint sie aber eben so wenig zu beeindrucken wie die Steuererhöhungen, Gehalts- sowie Rentenkürzungen und sonstige Sparmaßnahmen. Hilfe von den griechischen Top-Kapitalisten ist jedenfalls nicht zu erwarten.

Nur wenige zahlenin der Heimat Steuern

Im Land der vermögenden Reeder leben laut der jährlich veröffentlichten "Greek Rich List" allerdings nur ein einziger Euro-Milliardär sowie 11 weitere Personen, die mehr als 200 Millionen Euro auf die Waage bringen. Lediglich 19 Top-Unternehmer werden auf mehr als 100 Millionen Euro eingeschätzt - deutlich weniger etwa als in Österreich, wo gut fünf Mal so viele Superreiche zu finden sind.

Seiner Heimat die Treue hält beispielsweise der 77jährige Ölmagnat Vardis Vardinogiannis, der neben der Familienholding ASE die zweitgrößte Ölraffinerie des Landes besitzt sowie diverse griechische Medien kontrolliert. Sohn Giannis, ein früherer Rally-Champion, ist größter Shareholder des Fußballklubs Panathinaikos, Ferrari-Händler, im Reedereigeschäft engagiert und obendrein Boardmitglied der Piräus Bank. Die übrigen Superreichen, die als Bankiers oder Hotelketteninhaber, im Zement- oder Kupfergeschäft tätig sind und in Griechenland ihre Steuern zahlen, genießen zwar wie gewohnt ihre luxuriösen Refugien auf zahllosen Privatinseln - aber den vielkritisierten Staat freiwillig finanziell zu unterstützen, nein, das werden sie nicht.

Die Geld-Elite des ausgepowerten EU-Staats, der verzweifelt gegen den Bankrott ankämpft, verlor daher ihren einst glanzvollen Nimbus und bekommt eine breite Ablehnung seitens der vom Sparkurs der Regierung betroffenen Bürger zu spüren. In jüngerer Zeit gab es in Griechenland sogar mehrere Kidnapping-Fälle: So etwa wurde einer der bekanntesten Reeder, der 74jährige Periklis Panagopoulos, im Vorjahr von einer bewaffneten Bande entführt.

Spiros Latsis, der im Ranking der reichsten Griechen die Nummer eins ist, werden 4,2 Milliarden Euro zugetraut. Zudem hält seine Familie über ihre EFG Group griechische Anleihen in Höhe von 12 Milliarden Euro. Der 64jährige Clan-Chef, dessen Sohn Paris ein paar Monate lang mit der US-Hotelerbin Paris Hilton liiert war, lebt allerdings nicht in Griechenland, sondern kontrolliert von Genf sein Schiffs- und Ölimperium. Er investiert in Immobilien, Yachten und Privatjets und besitzt überdies ein verschachteltes Privatbanken-Imperium in der Schweiz. Als er im November vorigen Jahres den Sitz der Holding nach Luxemburg verlagerte, sanken die Forderungen der Eidgenossen gegen Griechenland schlagartig - die Schuldtitel verschwanden einfach von den Schweizer Konten. Und die nunmehr in einem EU-Staat residierende Bankengruppe konnte umgehend Rettungsgelder der Europäischen Zentralbank beanspruchen.

Der Reeder Philippe Niarchos wiederum, der mit seiner Kunstsammlung nahezu eine Milliarde Euro schwer ist, hat sich in London niedergelassen. Stelios Haji-Ioannou, der die Billig-Airline Easyjet gegründet hat, gefällt es in der coolen britischen Metropole ebenfalls besser als in der heißen griechischen Heimat. Auch der Medienunternehmer und Regisseur Alki David, der seinen Reichtum dem Leventis-Clan -also vor allem Schiffen und Coca Cola-Abfüllanlagen in 28 Ländern - verdankt, zieht die Themse jeder griechischen Insel vor. Der erst 42jährige Filmproduzent gilt mit fast 1,5 Milliarden Euro als Spitzenreiter, Niarchos und Haji-Ioannou folgen auf den Plätzen.

Griechenlands Diaspora hat auch in anderen Weltgegenden einen Fixplatz im Geldadel: In Australien etwa, wo 300.000 griechische Migranten, von denen 100.000 in ihrer Heimat geboren wurden, haben es immerhin sechs Griechen unter die 200 reichsten Australier geschafft. Der vor 45 Jahren ausgewanderte Grundstück-Zampano Con Makris häufte für Sohn Ross, der unlängst zum reichsten Aussie unter 40 gekürt wurde, ein Vermögen von umgerechnet beinahe 800 Millionen Euro an. Die Familie Paspalis wiederum, die schon 1919 eingewandert ist und ihren Namen in Paspaley geändert hat, brachte es zu einem der weltweit gefragtesten Perlenzucht-Imperium, das derzeit 20 Farmen mit 1000 Mitarbeitern umfasst.

In den USA, seit jeher klassisches Fernziel ehrgeiziger Griechen, haben sich viele den amerikanischen Traum verwirklicht. Zehn sind sogar zu Dollar-Milliardären aufgestiegen und - in der Regel längst US-Staatsbürger geworden - im alljährlichen "Forbes"-Ranking der begütertsten Amerikaner an prominenten Positionen zu finden. Dem Ältesten von ihnen, dem 90jährigen Selfmademan George P. Mitchell, werden zwei Milliarden Dollar attestiert, wobei ihn die Kursverluste seiner Energiecompany relativ wenig jucken.