Einsamkeit, Untätigkeit und Leere charakterisieren das Leben im Todestrakt. Die Häftlinge stehen unter besonders scharfer Bewachung, in der Regel sind sie 23 Stunden am Tag ganz allein in ihrer Zelle. Todeskandidaten genießen nur eingeschränkte Besuchsrechte. Zu tun haben sie oft nichts - abgesehen von der Planung neuer Einsprüche gegen ihre bevorstehende Hinrichtung.

Der Psychologieprofessor Craig Haney von der University of California in Santa Cruz hat viele Gefangene in US-Todestrakten untersucht und die tiefen seelischen Spuren dieses Lebens am Rande des Todes erforscht. "Ich hatte Klienten, die mehr als 20 Jahre in der Todeszelle warteten", berichtet Haney.

"Viele sind so verzweifelt, dass sie einfach aufgeben", sagt er. Depressionen und andere psychische Krankheiten sind in den Todestrakten weit verbreitet, viele Gefangene sind misstrauisch und völlig apathisch. "Die Entbehrung lastet schwer auf ihnen, ebenso die Erniedrigung, die Isolation." Vielen Gefangenen geht nach einigen Jahren einfach die Kraft aus, die nötig wäre, um die juristischen Hürdenläufe zur Neuauflage der Prozesse und zur Abwendung der Hinrichtung durchzustehen.

Durch die hohe Zahl der Todesurteile, die US-Gerichte verhängen, und die viel niedrigere Zahl der tatsächlichen Vollstreckungen werden inzwischen viele Verurteilte im Todestrakt alt. Im Jahr 2005 war der Anteil von Todeskandidaten über 60 Jahre vier Mal so hoch wie 1995.

Mehrzahl stirbt an Gesundheitsproblemen

Im Bundesstaat Kentucky zum Beispiel sind in den vergangenen 30 Jahren mehr Häftlinge im Todestrakt an Gesundheitsproblemen gestorben als durch Hinrichtungen. In Pennsylvania wurden seit 1976 nur drei Menschen hingerichtet, die dortigen Gerichte fällen aber im Durchschnitt jedes Jahr vier Todesurteile. Derzeit sitzen dort mehr als 220 Delinquenten ein.

Den Rekord hält Kalifornien, wo knapp 700 zum Verurteilte auf ihre Hinrichtung warten. Seit 2006 ist dort die Vollstreckung wegen eines Rechtsstreits um Hinrichtungen mit der Giftspritze ausgesetzt.

Gegner der Todesstrafe werten die langen Wartezeiten als einen Grund mehr, diese Art der Strafe völlig abzuschaffen. Vor Gericht kommen sie damit freilich nicht weiter. Mehrfach hat das Oberste Gericht in Washington Anträge abgelehnt, die Verfassungsmäßigkeit der langen Wartezeiten im Todestrakt zu prüfen. Nur eine Minderheit der neun Obersten Richter lehnt die Todesstrafe prinzipiell ab.

Verstoß gegen die Verfassung der USA

Einer von ihnen, John Paul Stevens, schrieb vor wenigen Monaten in einer Minderheitsmeinung, dass schon die Wartezeiten allein auf "besonders menschenunwürdige Haftbedingungen" hinausliefen und deshalb gegen die Verfassung verstießen. In dem betreffenden Fall ging es um einen Häftling, der 29 Jahre lang im Todestrakt saß. Eine Mehrheit für ein Ende der Todesstrafe ist in den USA aber nicht in Sicht, weder am Obersten Gericht noch in der öffentlichen Meinung.

Unterdessen schlagen konservative Juristen, die sich für die Todesstrafe aussprechen, einen anderen Weg vor, um die quälend langen Wartezeiten für die Todeskandidaten zu verkürzen: Die Gefangenen sollten auf sämtliche Einsprüche und Berufungsverfahren gegen das Todesurteil verzichten - und dadurch die eigene Hinrichtung beschleunigen.