Die Wochenzeitschrift "New Yorker" ist kaum zu überbieten in ihrem peniblen Prüfen und Beharren auf faktischer Richtigkeit. Man mag darüber schmunzeln, dass das Magazin sogar den Inhalt von Gedichten und Kurzgeschichten prüft. Doch Gründlichkeit, Genauigkeit und Zuverlässigkeit sind sicherlich mit ein Grund, warum der "New Yorker" seit Jahrzehnten als das beste Magazin im amerikanischen Journalismus gilt.

20 Prüfer bei "Vanity Fair"

In den USA unterhält das Monatsmagazin "Vanity Fair" mit 20 Prüfern die größte Fact-Checking-Abteilung, gefolgt vom "New Yorker", der im selben Verlag (Conde Nast) erscheint. Chef der 16 Checker des "New Yorker" ist Peter Canby. Er sagt: "Unser Job ist es, skeptisch zu sein." Um eine Filmkritik zu prüfen, schickt Canby Mitarbeiter ins Kino. Und zwar nicht nur in New York. Bis Houston, Hawaii oder England reisen die Detektive des "New Yorker", um wichtige Dokumente ein zweites Mal einzusehen. Autoren des "New Yorker" müssen Notizblöcke, Tonbänder, Bücher und eine Liste ihrer Gesprächspartner einreichen, damit Canbys Leute den Inhalt jedes Zitats prüfen können.

Nur wer genau recherchiert, kann sich bei komplizierten Sachverhalten Autorität beim Schreiben leisten. Die Dokumentaristen prüfen jedes Detail unabhängig vom Reporter oder Autor des Textes so gründlich, als müssten sie selbst darüber berichten. "Der "New Yorker" ist berühmt dafür, dass er das Empire State Building anruft, um sicherzugehen, dass es noch steht", sagt Liza Featherstone, eine Dokumentaristin der "Columbia Journalism Review". In den USA werde nach dem Prinzip der "kontrollierten Explosion" geprüft, sagt Sarah Smith, Autorin des Fachbuches "The Fact Checkers Bible". Sie hat beim "New Yorker" und dann beim "New York Times Magazine" geprüft, dessen Redaktionsleiterin sie heute ist. Falls ein Text problematische Stellen enthält, dann wollen die Checker die Konflikte bereits vor der Veröffentlichung austragen und sie möglichst entschärfen. Die Angst vor Klagen spielt dabei sicher auch eine Rolle.

Stiller Held des Journalismus

Was dem "New Yorker" seine Fact Checker, das sind dem "Spiegel" seine Dokumentaristen. Man nennt sie auch (aus steuerlichen Gründen) Doku-Journalisten. Dabei sind ihnen offiziell eigene Recherchen verboten, zumindest soweit es um Kontakte zu zitierten Personen und deren Aussagen geht: Beschuldigte sollen nicht zu früh aufgeschreckt werden. "Was wir überhaupt nicht gebrauchen können, sind verhinderte Journalisten", sagte einst Dieter Gessner, ehemaliger Leiter der "Spiegel"-