"Wir, Gottes Volk, seine Kirche, tragen miteinander an dieser Schuld", lautete die Kernbotschaft des Schuldbekenntnisses, das Schönborn gemeinsam mit der Theologin und Publizistin Veronika Jagenteufel vortrug. Man habe "die Leiblichkeit" nicht wertgeschätzt und sei an der Aufgabe, "Sexualität gut zu leben", gescheitert. Schönborn: "Einige von uns haben sexuelle Gewalt angewendet." Außerdem wurde zugegeben, "dass wir vertuscht und ein falsches Zeugnis gegeben haben".

"Es bleibt viel zu tun"

In seiner Predigt betonte Schönborn, dass es in einer so schwierigen Situation schwer sei, die richtigen Worte zu finden: "In dieser Stunde sind Predigtworte daneben, sie können nur peinlich werden, oft verletzend. Schweigen wäre angebracht." In letzter Zeit sei in der Kirche vieles aufgebrochen, so Schönborn. Nun werde weniger weggeschaut, "aber es bleibt viel zu tun".

Schönborn setzte die Missbrauchsfälle in der Kirche mit "Gottesvergiftung" gleich. Die Beziehung zu Gott werde dadurch zerstört. "Das ist es, was Missbrauch in der Kirche noch schlimmer macht." Die Gebete beim Bußgottesdienst würden ganz den missbrauchten Menschen gehören. "Es ist eine schmerzliche Erfahrung für die Kirche. Aber was ist dieser Schmerz im Vergleich des Schmerzes der Opfer."

Hans Peter Hurka von der Plattform "Wir sind Kirche" sprach bei der Verabschiedung noch einmal von einem "gemeinsamen Zeichen", das man mit diesem Gottesdienst gesetzt habe.

"Ich bin wütend"

Vor Schönborns Predigt und Schuldbekenntnis wurden Texte von Missbrauchs-Betroffenen vorgelesen. Der Titel einer Passage - "Ich bin wütend, mein Gott!" - war auch zum Motiv für den Bußgottesdienst geworden. Auch Klagepsalme wurden vorgetragen, ebenso wie Fürbitten, die Tätern und Opfern galten.

Schönborn bezeichnete den Bußgottesdienst danach vor Journalisten als "sehr stimmig". Um Lösungen habe es aber bei der Messfeier nicht gehen können. Diese gehörten in die bereits bestehenden oder noch geplanten Institutionen, die sich damit befassen.

Gleich mehrere Bischöfe haben sich am Mittwoch zu den Missbrauchsfällen geäußert. So bat der Linzer

Diözesanbischof Ludwig Schwarz um "Entschuldigung für das Versagen der Kirche". Innsbrucks Diözesanbischof Manfred Scheuer sagte: "Wir sind - auch - Täter."