Jeweils mehr als 80 Prozent der Befragten haben diese Schmerzen in den vergangenen Wochen verspürt. "Besonders ältere Arbeitnehmer und Hilfsarbeiter leiden unter diesen Beschwerden", sagte Studienleiter Georg Michenthaler vom Ifes bei der Studienpräsentation am Freitag.

Hitze und Lärm belasten

Noch schlimmer trifft es Nachtarbeiter: Sie leiden häufiger an Schlafstörungen, Magenbeschwerden, Hautproblemen sowie Beeinträchtigung des Hörvermögens. Häufige Überstunden schlagen sich in Schlafstörungen sowie Erschöpfung nieder. Rund ein Drittel der Befragten arbeitet im Schichtdienst und zumindest gelegentlich auch in der Nacht. Ein Fünftel macht häufig Überstunden.

Auch wenn viele Betroffenen ihre Symptome nicht mit der Arbeit in Verbindung bringen - Experten schätzen, dass rund 50 Prozent aller Erkrankungen ihre Wurzeln am Arbeitsplatz haben. Auch psychische Belastungen wie Erschöpfung und Schlafstörungen können mit Nachtarbeit zu tun haben.

"Schuld an den Beschwerden sind die ungünstigen Arbeitszeiten", sagt Michenthaler. Nachtschichten stören den natürlichen Tagesrhythmus, zusätzlich arbeiten die Betroffenen oft bei schlechter Beleuchtung. Hinzu kommen schlechte Verpflegungsangebote in vielen Betrieben: Nur neun Prozent können in ihrem Betrieb eine warme Mahlzeit in der Nacht essen.

Auch die Arbeitsbedingungen lösen Beschwerden aus: Mehr als die Hälfte der Befragten leidet stark oder eher stark unter Hitze am Arbeitsplatz, dahinter folgen Belastungen durch Lärm und Zugluft. Acht von zehn Befragten klagen über einseitige körperliche Belastung.

Krank in die Arbeit

Als "alarmierend" bezeichnet Franz Riepl, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Pro-Ge, dass viele Befragte nicht in den Krankenstand gehen, obwohl sie sich krank fühlen. Laut der Umfrage sind die Arbeiter in den vergangenen sechs Monaten durchschnittlich 9,2 Tage krank in die Arbeit gegangen. Tatsächlich verbrachten die Befragten im Schnitt nur vier Tage im Krankenstand.

Viele Mitarbeiter haben offenbar Angst daheimzubleiben - denn der Druck in den Betrieben werde immer größer: 45 Prozent der Befragten geben an, dass sich die Arbeitsmenge und der Zeitdruck in den vergangenen Jahren verschlechtert haben.

Zeitdruck wird als die mit Abstand stärkste Belastung angegeben. "Stress ist ein ständig steigendes Problem und kein Phänomen, das nur bei Managern auftritt", sagt Michenthaler.

Zu schaffen machen den Produktionsarbeitern auch enge und nicht einhaltbare Zeitvorgaben des Arbeitgebers sowie widersprüchliche Vorgaben - etwa, dass Produkte in besserer Qualität, aber gleichzeitig schneller hergestellt werden sollen. "Die Arbeiter haben das Gefühl, nie zurande zu kommen", sagt Michenthaler. Der Stress und Ärger in der Arbeit könne krank machen.

Die Zahl der Überstunden ist laut der Umfrage in etwa gleich geblieben - trotz geringerer Auslastung und Kurzarbeit in vielen Betrieben. Nur 12 Prozent der Befragten machen nie Überstunden.

"Jene Arbeiter, die in den Betrieben verblieben sind, müssen die gekündigten Kollegen ersetzen", so Michenthaler. Fast ein Drittel der Befragten hält die Arbeitspausen nicht ein. "Die Arbeiter wollen ihre Kollegen nicht im Stich lassen", vermutet der Ifes-Forscher.

Zwar hätten bereits viele Betriebe erkannt, dass gesunde Mitarbeiter wichtig für die Produktivität sind. "Einige Betriebe wehren sich aber dagegen, mit effektiven Maßnahmen die Gesundheit zu fördern, weil es ihnen zu teuer ist", sagt Riepl.