Reichsforstmeister Hermann Göring (1893 - 1946) vergrößerte den Staatsbesitz an Wald mit Arisierungen. Foto: Corbis
Reichsforstmeister Hermann Göring (1893 - 1946) vergrößerte den Staatsbesitz an Wald mit Arisierungen. Foto: Corbis

Fünf Jahre lang hat sich ein Forscherteam aus Historikern und Juristen unter der Leitung des Wiener Zeitgeschichtlers Oliver Rathkolb mit der Geschichte der "Reichsforste" in der Nazizeit auseinander gesetzt. In Auftrag gegeben wurde die Studie von den Österreichischen Bundesforsten - um die eigenen Bemühungen vor allem in Bezug auf die Restitution von externen Experten untersuchen zu lassen, wie Vorstandssprecher Georg Erlacher erklärte.

Doch das wohl auffälligste Ergebnis der Studie sind die personellen Kontinuitäten vor, während und nach der NS-Zeit: Bereits vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 waren ganze 72 Prozent der Forstbediensteten NSDAP-Mitglieder oder hatten zumindest einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt. Und das, obwohl die Nazi-Partei von 1933 bis 1938 in Österreich verboten war.

Dieser Anteil stieg während der NS-Zeit nur marginal. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs wurden zunächst noch - auf der Basis des Verbotsgesetzes - zahlreiche Nazis aus den Bundesforsten entlassen. Bereits mit dem Nationalsozialistengesetz 1947 fanden hingegen viele der nun als "minderbelastet" geltenden Ex-Nazis wieder eine Anstellung. Wie Maria Wirth, Autorin des Studienteils über die Nazi-Karrieren aufschlüsselt, verfügten die Forste zwei Jahre nach Kriegsende über den mit Abstand größten Anteil an "Minderbelasteten" im gesamten Bundesdienst. So waren im April 1947 mehr als 39 Prozent der Forstleute "Minderbelastete", bei den Unis waren es knapp 31 Prozent, bei der Exekutive nur 13 Prozent. Wenige Jahre später, 1955, stieg der Anteil der ehemaligen NSDAP-Mitglieder bei den Forsten gar auf 58 Prozent.

Dass die Nazis gerade in den Bundesforsten so gut Fuß fassen konnten, erklärt Historiker Rathkolb mit der ideologischen Bedeutung der Waldwirtschaft: "Für die Konstruktion des Deutschnationalismus war die Überhöhung des Mythos Wald extrem wichtig." Die Nazi-Ideologen sahen die Deutschen als "Waldvolk" - in direkter Linie zu den germanischen Völkern.

Ebenfalls Teil der Studie waren Arisierung/Enteignung und Restitution. Reichsforstmeister Hermann Göring hatte sich zum Ziel gesetzt, den Anteil an produktiver Waldfläche in staatlichem Besitz von 12 Prozent in der "Ostmark" auf die im "Altreich" bestehenden 25 Prozent anzuheben. Dabei ging es ihm um wirtschaftliche Autarkie für die Kriegsrüstung. Das Ziel wurde zwar nicht erreicht, dennoch wurde die staatliche Waldfläche bis 1945 durch "Entziehungen und Ankäufe" um 132.000 Hektar vergrößert. Die Studienautoren gehen davon aus, dass davon bis zu 30.000 Hektar von enteigneten Juden stammen. Dennoch sind laut Rathkolb bis auf einen Fall, der bei der Schiedsinstanz für Naturalrestitution liegt, keine weiteren restitutionsfähigen Liegenschaften aufgetaucht.

Bisher haben die Bundesforste zehn Millionen Schilling in den Versöhnungsfonds eingezahlt und 52 Millionen Schilling (rund 3,8 Millionen Euro) an Ausgleichzahlungen (die Differenz zwischen damals ausgezahltem Betrag und tatsächlichem Zeitwert eines Grundstücks) geleistet.

Auch auf diesem Gebiet gab es höchst fragwürdige personelle Kontinuitäten: So sei etwa ein Jurist, der in der Nazizeit Arisierungen durchgeführt hatte, später auch für Restitutionen zuständig gewesen.

Für Erlacher ist die Erforschung des dunklen Kapitels der Bundesforste mit der Studie jedenfalls nicht abgeschlossen. Im Rahmen von Schulungen neuer Mitarbeiter, öffentlichen Veranstaltungen und Forschungsstipendien soll das Thema weiter vertieft werden.