Da Konzipienten nicht durch einen Kollektivvertrag geschützt werden, bleibt nur die Hoffnung, dass der Lohn von den Arbeitgebern angepasst wird. Foto: bilderbox
Da Konzipienten nicht durch einen Kollektivvertrag geschützt werden, bleibt nur die Hoffnung, dass der Lohn von den Arbeitgebern angepasst wird. Foto: bilderbox

Konzipienten waren bisher ein Zwitterwesen zwischen Azubi undüberdurchschnittlich vollzeitbeschäftigte Säule der jeweiligen Kanzlei. Für die Konzipienten könnte die Kammermitgliedschaft aber vielleicht zu einer finanziellen Falle werden, befürchtet man in der Branche.

"Wir haben keine Mindestlohnregelung", gibt Klaus Ainedter, Obmann des Klubs der Konzipienten, zu bedenken. "Einige der Konzipientengehälter bewegen sich zwischen 1500 und 1800 Euro brutto. Da machen schon 100 Euro weniger einen großen Unterschied." Vor allem, wenn die Rechtsanwaltsanwärter eine Familie zu versorgen haben.

Ainedter hofft, dass die arbeitgebenden Anwälte die Gehälter für ihre Konzipienten freiwillig in die Höhe korrigieren. "Da würde es dann einen Unterschied machen, ob der Kammerbeitrag vom Konzipienten selbst oder durch den Rechtsanwalt abzuführen ist. Wenn es der Anwalt machen muss, wird er es dann hoffentlich schwarz auf weiß sehen, wie viel dem Konzipienten letztendlich netto überbleibt."

Die neun Länderkammern haben noch ein Jahr Zeit, um sich zu beraten. Denn jede setzt ihren Mitgliedsbeitrag und eventuelle Versicherungsoptionen selbst fest. Laut der Dachorganisation, dem österreichischen Rechtsanwaltskammertag (ÖRAK), sollen die Kammerbeiträge - genauso wie die Option zur Pensionsversicherung - erst mit Anfang 2011 umgesetzt werden.

Das Bundesgesetz sieht vor, dass die Konzipienten maximal die Hälfte des Beitrags der jeweiligen Rechtsanwälte zahlen müssen. "Was man so hört, ist allerdings nicht geplant, dass dieser Beitrag voll ausgeschöpft wird", sagt ÖRAK-Generalsekretär Alexander Christian auf Anfrage der "Wiener Zeitung".

Von allen Länderkammern hat erst die Vorarlberger Kammer den Beitrag für die Konzipienten festgesetzt, der 250 Euro ausmachen soll. Fällig wird die Gebühr allerdings auch erst mit 2011.

Neun Bundesländer - neun Systeme

Das System der Verrechnung der Kammern ist traditionell etwas intransparent und unterscheidet sich in allen neun Bundesländern. Etwa waren von den 6000 Euro, die ein Wiener Anwalt 2009 an die Kammer zahlen musste, nur 620 Euro für die reine Kammermitgliedschaft zu zahlen. In Oberösterreich ist laut Christian dagegen heuer eine Jahresgebühr von 640 Euro für die reine Mitgliedschaft zu zahlen.

Die Beiträge für die Pensionsversicherung zieht bei Angestellten der Arbeitgeber ab - Rechtsanwälte führen sie an die Kammer ab. "In den vierstelligen Beträgen, die ein Anwalt pro Jahr an die Kammer abführt, ist das Gros der Abgaben für die Pensionsversicherung enthalten. Daneben kann es Zuschläge geben, Kanzleiabgaben, eventuell wird auch die Zahl der in der Kanzlei beschäftigten Konzipienten verrechnet", so Christian. Dazu kommen noch Versorgungseinheiten.

Bei der Krankenversicherung haben die Anwälte oft ein Wahlrecht zwischen ASVG, GSVG und einem Gruppenvertrag, den die Kammer organisiert. Auch die Unfallversicherung wird teilweise über die Kammer finanziert.