Obwohl Colom jegliche Beteiligung am Auftragsmord an Rosenberg - der Anwalt war auf einer belebten Straße vor zahlreichen Passanten mit mehreren Schüssen in Kopf und Brust niedergestreckt worden - vehement dementierte, gingen zehntausende Guatemalteken Woche für Woche auf die Straße, um Gerechtigkeit und den Rücktritt des Präsidenten zu fordern.

Nach acht Monaten an Ermittlungsarbeit im Mordfall Rosenberg, der sich durch die andauernden Proteste im ganzen Land zu einer handfesten Politkrise ausgeweitet hatte, präsentierte nun - zur Halbzeit von Coloms Amtsperiode - der Spanier Carlos Castresana, Chef der "Internationalen Kommission gegen die Straffreiheit in Guatemala", die Ergebnisse seiner Nachforschungen. Ganz anders als erwartet kann Colom nach den Enthüllungen der UN-Kommission erleichtert durchatmen. Rosenberg soll aufgrund persönlicher Tiefschläge, so Castresana, seinen Mord selbst in Auftrag gegeben haben. Der prominente Anwalt habe sich selbst Drohbotschaften geschickt und schließlich die Liquidierung seines "Erpressers", der niemand anderer als er selber war, angeordnet. Die Summe, die er den Profikillern für seinen "Selbstmord" zukommen ließ, soll umgerechnet rund 5.000 Euro betragen haben. "Es gab kein Mordkomplott, in das irgendein Politiker Guatemalas verwickelt war", folgerte Castresana.

Mit seiner posthum aufgetauchten Videobotschaft wollte der Harvard- und Oxford-Absolvent Rosenberg das von ihm als korrupt bezeichnete politische Establishment Guatemalas destabilisieren und Alvaro Colom zum Rücktritt zwingen.