Mit den Behörden im Clinch

Verstorben: Antonio Fontan kämpfte gegen Franco-Regime. Foto: efe
Verstorben: Antonio Fontan kämpfte gegen Franco-Regime. Foto: efe

Kurz vor Fontans Antritt als Chefredakteur wurde "Madrid" vom spanischen Journalisten und Historiker Rafael Calvo Serer gekauft, der eine regimekritische Linie verfolgte. Unter Fontan und Serer wurde das Blatt zur damals einzig unabhängigen Zeitung Spaniens. Wegen ihrer kritischen Berichterstattung über nicht-regierungsgenehme Themen, wie Unruhen bei Studenten und Arbeitern, den sich in Spanien ausbreitenden Regionalismus, illegale Machenschaften im Gewerkschaftswesen und Aktivitäten der Opposition, wurde das Blatt von den Behörden mit Sanktionen bombardiert. Allein zwischen Jänner 1967 und Mai 1968 wurden Verfahren in zwölf verschiedenen Angelegenheiten gegen es eingeleitet. Fontan wurde in zehn Fällen zu einer Geldstrafe verurteilt.

Einen Schlag versetzte die Zeitung General Franco im Mai 1968 mit dem Titel "Rücktritt zur rechten Zeit, ein Nein zu de Gaulle". Jedem politisch bewussten Spanier war klar, dass dies als Aufforderung an Franco gemeint war. Prompt durfte "Madrid" vier Monate lang nicht erscheinen. Trotz finanzieller Engpässe wurden die Mitarbeiter weiterhin bezahlt. Endgültig eingestellt wurde die Zeitung 1971 unter dem Vorwand, die Eigentümerverhältnisse seien unklar. Rafael Calvo Serer ging ins Exil nach Paris und kehrte erst nach Francos Tod zurück.

Serer und Fontan waren beide praktizierende Katholiken und Mitglieder der katholischen Institution "Opus Dei". Unter Francos Diktatur, die besonders in der Anfangszeit die katholische Kirche für ihre Interessen einspannte, versuchten sie den vorhandenen Freiraum für Kritik und Veränderung zu nützen. Zu Fontans Bewunderern und Freunden gehörte der jüdisch-polnische Journalist Adam Michnik, der zur Zeit des Kommunismus - ebenso wie Fontan - einen friedlichen Umsturz von innen her anstrebte.

Im Jahr 2000 ernannte das Internationale Presse-Institut Antonio Fontan gemeinsam mit 49 anderen Journalisten zum "Helden der Pressefreiheit".