Weibliches Service für Klientinnen - verboten? Foto: bb
Weibliches Service für Klientinnen - verboten? Foto: bb

Der Geschäftsführer von Lanz Trachtenmoden kann den Einwand nicht verstehen: "Seit 1922 ist es bei uns Tradition, dass in der Damenkostümabteilung Schneiderinnen und in der Herrenmaßabteilung männliche Schneider im Einsatz sind", sagt Nikolaus Lanz. Die Kundschaft würde es nicht goutieren, wenn plötzlich ein Herr im Schritt der Damen Maß nehme.

Weil eine Schneiderin in Karenz geht, sucht Lanz eine Nachfolgerin. "Es handelt sich um keine Diskriminierung. Ich kann nicht für einen Damenposten einen Mann suchen", empört er sich. Für die Firma müsste die Ausnahmeregelung des Gleichbehandlungsgesetzes zum Schutz der Intimsphäre seiner Kunden gelten. Außerdem sei die Ausbildung zum Damenkleidermacher eine andere als jene zum Herrenkleidermacher.

Verwaltungsstrafe

Die Gleichbehandlungsanwältin Monika Groser ortet hingegen eine Missachtung des "Gebots der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung". Von einer Verwaltungsstrafe sieht sie vorerst ab. Bei weiteren Verstößen blüht dem Salzburger laut einem Schreiben vom 9. Dezember allerdings ein Bußgeld "bis 360 Euro".

Die Reaktion des Trachtenchefs: "Es ist lächerlich, damit Juristen zu beschäftigen. Ich werde weiterhin eine Schneiderin suchen und inserieren. Die Strafe zahle ich", so Lanz.

Die Maßschneiderei beschäftig 100 Mitarbeiter und rühmt sich, die einzige zu sein, die nicht in Fernost, Albanien oder in der Türkei produziert. Auf das Jobinserat hätten sich bis dato drei Frauen beworben, so Lanz. Die Passende sei noch nicht darunter gewesen.