Ein Aufwand, ganz im Sinn von Angelika Messner: "Die Volksoper hat keine Kosten und Mühen gescheut", freut sich die Librettistin. Womit das Haus am Gürtel ja womöglich die viel zitierte Schwellenangst des Jung-Publikums gegenüber der alten Dame Oper ein wenig senken kann.

Obwohl der Hauptzweck ihres Werks eigentlich woanders liegt. Nämlich: "Den Kindern klarzumachen, dass die Singstimme eine unglaubliche Kraft ist." Und das sei keine ganz einfache Erkenntnis in Zeiten verringerter Gesangsaktivität und erhöhtem Computerspiel-Konsum.

Mitgefühl für einen kunterbunten Teufel

Dafür also hat Messner den "Reißteufel" ersonnen: Einen eher unwirschen Zeitgenossen, der Kindern die Stimme entreißt, weil er selber keine Energie hat. In Antonia findet er seine Bezwingerin: Das Mädel ist nicht nur bärenstark, sondern auch so herzensgut, dass es dem kunterbunten Beelzebuben dessen Herz zurückgibt. Das haben ihm nämlich finstere Figuren geflaucht, die Eigenschaften wie Gier und Neid symbolisieren. Soll also auch zeigen: Dass Täter Opfer sein können - und Kinder heilsam für Erwachsene.

Schon im Vorverkauf ein Reißer: Der buntscheckige Reißteufel der Volksoper Wien. Foto: Moritz Schell/Volksoper
Schon im Vorverkauf ein Reißer: Der buntscheckige Reißteufel der Volksoper Wien. Foto: Moritz Schell/Volksoper
Trotz Routine mit Kindertheater: Für Angelika Messner, am Währinger Gürtel erstmals als Kinderopern-Autorin tätig, bleibt es "spannend bis zuletzt". Foto: Alexander Schlee
Trotz Routine mit Kindertheater: Für Angelika Messner, am Währinger Gürtel erstmals als Kinderopern-Autorin tätig, bleibt es "spannend bis zuletzt". Foto: Alexander Schlee

Ob Messner zuversichtlich ist, dass die Kinder ihrer Handlung auch bis zum Schluss folgen? Freilich weiß sie, dass das kein ganz einfaches Publikum ist. Aber einerseits hat die Stückeschreiberin, Dramaturgin und Regisseurin einige Erfahrung mit der Klientel, lässt das Stück ja auch nicht länger als zwei kindergerechte Stunden (inklusive Pause) dauern. Andererseits hat Messner das Libretto bereits an Kindern "getestet", sprich vorgelesen. Gleichwohl, der Premieren-Erfolg lässt sich nicht sicher vorhersagen: "Es bleibt spannend bis zuletzt. Wenn die Kinder gut drauf sind, kann aber ziemlich die Post abgehen!"

Dafür will ja auch der bekannte Arrangeur und Tonsetzer Christian Kolonovits Sorge tragen: Die Erwachsenenwelt charakterisiert er mit klassischen Klängen, zwei zankende Fledermäuse lässt er swingen - und die Titelheldin schlägt bewusst poppige Töne an, um die Kinder im Saal mitzureißen.

"Schönste Arien" aus Kindermund?

Dabei entwickelt sich dieser "Reißteufel" schon vor der Premiere zum Reißer: Weil alle geplanten Vorstellungen rasch ausverkauft waren, hat die Volksoper zuletzt zwei weitere eingeschoben. Damit sind nun also noch Karten für die Vorpremiere an diesem Samstag sowie für einen Wiederholungs-Termin am 1. März zu ergattern.

Was Messner, selbst Mutter von zwei Teenagern, von der Befürchtung hält, dass ihr Plädoyer für die Stimmkraft zu mehr Kinder-Geplärr nach dem Opernbesuch führen könnte? Die burgenländische Theaterfrau lächelt: "Na, vielleicht werden die Kinder dann in die schönsten Opern-Arien einstimmen."

www.volksoper.at; 01/5131513