Rosen an der Gedenkstätte Bernauer Strasse. - © AP
Rosen an der Gedenkstätte Bernauer Strasse. - © AP

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Gethsemane-Kirche haben am Montag Vormittag die Feiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls begonnen. Das Gotteshaus am Prenzlauer Berg gilt als ein Zentrum der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, rief die Menschen auf beiden Seiten der einstigen Mauer auf, "in Geduld und Ausdauer weiter Brücken zueinander zu bauen". Potenzielle Mauerbauer gebe es überall, auch heute, erklärte der Bischof laut Kathpress: "Sie sollten nicht das Sagen haben, weder in der Gesellschaft noch in den Kirchen". Zollitsch unterstrich den Dank der Deutschen dafür, dass die Mauer ohne Gewalt und Blutvergießen gefallen sei; er erinnerte auch an den Einsatz von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) für die Einheit Europas.

An dem Dankgottesdienst in der Gethsemanekirche nahmen neben Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Merkel auch zahlreiche Minister der deutschen schwarz-gelben Regierung sowie internationale Gäste teil. Die evangelische Kirche im Prenzlauer Berg war im Herbst 1989 mit zahlreichen Protestveranstaltungen und Gottesdiensten das Zentrum der Oppositionsbewegung im Osten Berlins.

Das Leben in der DDR

Differenziert äußerte sich der Erzbischof über das Leben der Menschen in der DDR. Auch in der DDR hätten Menschen in einer verordneten Unfreiheit "mit Anstand und Würde" gelebt. Es habe durchaus auch in dem von Unrecht geprägten Staat ein "Leben in Normalität" gegeben, "auch wenn die Unfreiheit manche Kompromisse und bittere Einschränkungen abverlangte". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz forderte dazu auf, die Gesellschaft in Deutschland und Europa aus verantworteter Freiheit heraus zu gestalten. Freiheit sei kein "Selbstläufer", mahnte er: "Sie will immer neu bejaht und wachsam gehütet werden."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit besucht am Vormittag eine Andacht in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße. Danach soll mit Kerzen an die Opfer der Mauer erinnert werden. An der dortigen Mauer-Gedenkstätte soll ein neues Besucherzentrum eröffnet werden.

Am Nachmittag will Kanzlerin Merkel gemeinsam mit ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern über die frühere Grenze an der Bornholmer Straße gehen. Der Kontrollpunkt war am 9. November 1989 der erste, über den die Menschen am späten Abend in den Westen stürmten. An dem symbolischen Spaziergang nehmen auch der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und der frühere polnische Bürgerrechtskämpfer und spätere Staatspräsident Lech Walesa teil.

Fest am Brandenburger Tor

Höhepunkt ist am Abend das Fest der Freiheit am Brandenburger Tor. Am einstigen Symbol der deutschen Teilung werden die Staats- oder Regierungschefs aller EU-Mitgliedsstaaten, US-Außenministerin Hillary Clinton und der russische Präsident Dmitri Medwedew erwartet. Auch Bundeskanzler Werner Faymann (S) wird zugegen sein. Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt wird als EU-Ratsvorsitzender eine Rede halten. Weitere Ansprechen von Merkel und Wowereit sollen folgen.

Am späteren Abend stehen ein symbolischer Gang der Staats- und Regierungschefs durch das Brandenburger Tor und ein symbolischer Mauerfall zwischen Potsdamer Platz und Reichstag auf dem Programm; dabei sollen bemalte Mauerteile wie Dominosteine zusammenfallen. Nach einem Benefizkonzert im Berliner Dom wird ein Feuerwerk den Abend beschließen. (APA)