Zum siebenten Mal kamen Tausende zur Koran-Rezitation ins Austria Center. Foto: Beig
Zum siebenten Mal kamen Tausende zur Koran-Rezitation ins Austria Center. Foto: Beig

In ganz Österreich gibt es 50 Vereine der IF, dazu gehören Moscheen, drei Kindergärten und ein Wiener Gymnasium. Die Föderation ist eine der größten türkisch-islamischen Gruppierungen Österreichs. Auch Großprojekte, wie die Pilgerfahrt nach Mekka oder eben die Koran-Rezitation organisiert sie. Neben berühmten Rezitatoren aus dem Ausland traten dort bisher auch Schakfeh und heimische Politiker auf.

"Was wäre Wien ohne Sie?", fragte Christoph Matznetter, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Österreich, letztes Mal die 3100 großteils türkischen Besucher. "Doch in diesem Land findet eine Hetze gegen Sie statt, die seit Jörg Haider salonfähig ist." Wichtig sei eine gute Vertretung in der Wirtschaftskammer. Matznetter: "Sie müssen zu den Wahlen aber auch hingehen und ihre Stimme abgeben".

Auch Strache eingeladen

"Die IF lädt alle Parteien zur Koran-Rezitation ein", betont IF-Vorsitzender Mehmet Turhan im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Nicht alle kommen. Zu unseren jährlichen Fastenbrechen laden wir auch - erfolglos - Heinz-Christian Strache ein, auch wenn wir seine jetzige Richtung nicht teilen." Prinzipiell gelte: "Alle unsere Moscheen in Wien können von den Parteien genützt werden, nur nicht der Gebetsraum - das wäre Missbrauch."

Auch bei der Arbeiterkammer trat die IF an, zunächst mit anderen türkischen Gruppen im "Bündnis Mosaik". "Nach Meinungsverschiedenheiten gründeten wir eine eigene Vertretung. Pläne für eine Partei gibt es derzeit nicht. Wir arbeiten religiös, sozial, kulturell und äußern uns zu gesellschaftlichen Themen."

Seine Kondolenz erwies Turhan voriges Jahr auch öffentlich dem von Matznetter so gescholtenen Jörg Haider nach dessen Unfalltod. "Haider hat sich politisch jahrelang durchgesetzt, man kann ihn nicht wegdenken", so Turhan. "Er war ein charismatischer Politiker und hat auch den Attacken der EU im Jahr 2000 standgehalten. In der Ausländerpolitik hat er Positives in Bewegung gebracht, indem er den Parteien den Anstoß gab, sich mit dem Thema zu befassen."

Als wichtige Leitfigur der Bewegung gilt der frühere türkische Ministerpräsident Necmettin Erbakan, der 1970 in der Türkei die zunächst verbotene Partei Milli Görüs gründete. Der europäische Hauptsitz von Milli Görüs ist Kerpen. "Wir kooperieren teils eng mit Milli Görüs, etwa bei der Pilgerfahrt nach Mekka, wo die Bewegung viel Erfahrung hat, weshalb viele Jugendliche teilnehmen. Wir sind aber kein österreichischer Ansprechpartner von Milli Görüs. Eng kooperiert wird auch mit anderen Gruppen, wie der Union Islamischer Kulturzentren."

Der deutsche Verfassungsschutz kritisiert, Milli Görüs sei keine religiöse Vereinigung, sondern politisch ausgerichtet. Zur IF hält sich der heimische Verfassungsschutz bedeckt. Dazu Rudolf Gollia vom Innenministerium: "Wir verfolgen nur strafrechtlich relevante Tatbestände."