Eine Familie hat angekündigt, einen Monat lang plastikfrei leben zu wollen. Aber vieles ist ohne Plastik nicht möglich. Etwa gäbe es keine Medizintechnik ohne Kunststoff-Geräte, jedoch gelangen die darin enthaltenen Schadstoffe ins Blut. Das ist das Plastik-Dilemma.

Natürlich kann man in vielen Bereichen auf biologische abbaubare Kunststoffe ausweichen. Aber das geht nicht immer gut: Umweltschützer haben jüngst sogar Baby-Schnuller aus Latex gefunden, die Bisphenol A (BPA) enthalten, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein und Unfruchtbarkeit zu verursachen.

Im Film zeigen Sie, dass Plastik den Hormonhaushalt stört. Wie solide ist das wissenschaftlich bewiesen?

Da sich niemand findet, der sich zu Testzwecken BPA verabreichen lässt, wurden Studien nur im Tierversuch durchgeführt - deren allerdings 700 Stück. Die Substanz wirkt wie ein Schein-Hormon, hemmt die normale Hormon-Produktion und wirkt über drei Generationen.

Sie haben zehn Jahre an Ihrem Film gearbeitet. Ihr Lebenswerk?

Ich hoffe nicht. Aber es war ein wichtiger Film.

Was hat so lange gedauert?

1999 hat es angefangen zu brodeln. Ich entdeckte eine Zeitungsmeldung, wonach Fische sich nicht fortpflanzen wegen einer Substanz, die aus Kunststoff austritt. Zuerst hielt ich es nicht für möglich. Aber dann fand ich eine weitere Meldung: "Es gibt so viel Plastik wie Plankton". Ich begann, in der Kunststoff-Industrie zu recherchieren, wobei ich anfangs gutgläubig war, da mein Großvater Geschäftsführer der deutschen Interplastik-Werke war. Ich dachte: Diese Industrie macht 900 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, die müssen doch ihre Produkte auf Gefahrenstoffe testen.

Es dauerte eineinhalb Jahre, bis mir ein Vertreter der Industrie einen Termin gab. Firmen sagten ab, einmal bekamen wir zu hören: Wir wissen von ihrem Film aus Brüssel - danke nein. In dieser Zeit testeten wir einen aufblasbaren Plastik-Globus. Wie sich zeigte, strotzte er nur so von Weichmachern und Quecksilber jenseits aller EU-Grenzwerte. Die Finanzierung bekamen wir schließlich vor fünf Jahren.

Plastic Planet" thematisiert die Kehrseiten der Marktwirtschaft. Dieser aufklärerische Zugang wurde von Erwin Wagenhofers "We feed the World" und "Lets Make Money" geprägt. Wäre Ihr Film ohne jenen Ihres Kollegen möglich gewesen?

"Lets Make Money" war sehr gut und am Puls der Zeit. Aber ich hätte meinen Film ohnehin gemacht.