"Kein Vernadern"

Whistle-Blower geben Hinweise auf kriminelle Machenschaften im Betrieb. Foto: bilderbox
Whistle-Blower geben Hinweise auf kriminelle Machenschaften im Betrieb. Foto: bilderbox

Whistle-Blowing werde aber hierzulande oft mit Vernaderung verwechselt, sagt Donner. Gezielte Information über Missstände erfordern Zivilcourage - und das sollte von den Mitarbeitern auch so verstanden werden. "Wird Whistle-Blowing von den Mitarbeitern akzeptiert und angewendet, so ist es ein gutes Mittel gegen Korruption", sagt Arno Brauneis, Partner der Rechtsanwaltskanzlei Brauneis Klauser Prändl. Dies bestätigt eine Studie von KPMG: 24 Prozent der 360 dafür untersuchten Fälle von Wirtschaftskriminalität kamen durch Hinweise ans Licht.

Inkorrekte Geschäftspraktiken müssen bereits in vielen Betrieben gemeldet werden, sagt Brauneis. Ein System, an das Hinweise auch anonym gerichtet werden können - etwa eine Hotline, E-Mail-Adresse oder ein Briefkasten - sei vor allem für Betriebe ab 1000 Mitarbeitern interessant, sagt Donner. Diese Stelle sollte aus der Firma ausgelagert werden - eine Rechtsanwaltskanzlei könne etwa die eingelangten Hinweise anonym an die Firma weitergeben. "Außerdem werden an eine externe Stelle weniger nicht ernst gemeinte Hinweise geschickt", meint Donner. Die Informationen können nicht nur aus dem Betrieb selbst, sondern auch von Geschäftspartnern und Kunden kommen.

In Österreich ist Whistle-Blowing noch nicht stark verbreitet. Laut einer Umfrage von Ernst & Young haben 21 Prozent von 100 befragten heimischen Betrieben eine Whistle-Blowing-Hotline eingerichtet. Ein Grund dafür könnte die Genehmigungspflicht bei der Datenschutzkommission sein, die laut Donner viele Firmen abschreckt. Denn die Einrichtung einer Hotline muss in Österreich der Datenschutzkommission gemeldet werden. Werden die Daten ins Ausland (etwa an den Mutterkonzern) übermittelt, muss die Kommission die Einrichtung genehmigen.

In den USA verpflichtend

Anders ist die Situation in den USA: Hier müssen börsenotierte Konzerne sowie deren Tochterunternehmen zwingend eine Whistle-Blowing-Hotline einrichten. Grund dafür sind die neuen Regeln für ethisches und moralisches Handeln, die der sogenannte Sarbanes-Oxley-Act regelt. Dieses Gesetz trat 2002 in Kraft - nach Bilanzskandalen großer US-Konzerne wie beim Energieriesen Enron.

Gleichzeitig sind Hinweisgeber in den USA vor einer Entlassung geschützt. "Hierzulande ist der Schutz unzureichend", kritisiert Brauneis. Es gelte, ein Verständnis für die Gefahren zu entwickeln, die dem Hinweisgeber drohen - etwa Mobbing und Kündigung.

Der deutsche Handels- und Touristikkonzern Rewe Group hat 2007 ein professionelles Antikorruptionssystem eingeführt - "um ein deutliches Zeichen zur Bekämpfung der wachsenden Wirtschaftskriminalität zu setzen", sagt Corinna Tinkler, Pressesprecherin der Rewe International AG. Als Antikorruptionsbeauftragter fungiert der Personaldirektor der Rewe International AG, der vertraulich Hinweise auf Korruption oder andere kriminelle Machenschaften aus dem Unternehmen, von Geschäftspartnern und Kunden entgegennimmt.

Eine Rechtsanwaltskanzlei als externe Ombudsstelle hat Siemens eingerichtet. Zudem können Hinweise in 150 Sprachen rund um die Uhr an ein Beschwerde-Helpdesk online sowie telefonisch gerichtet werden.