Seine Firma Richter Rasen hat in der Final-Arena der Euro 2008, dem Ernst-Happel-Stadion, einen speziellen Grasteppich aufgelegt. Der eigens gezüchtete Stadion-Rasen ist besonders dicht und widerstandsfähig, die richtige Arbeitsfläche für grätschende Fußballer.

Im Vorjahr hat Richter die operative Führung des Familienunternehmens übernommen, das von seinem Urgroßvater 1906 gegründet worden war. Dabei war der Lebensplan ursprünglich ein anderer. "Ich habe mich als Maler gesehen", sagt Richter und verweist auf die eigenen Bilder hinter seinem Schreibtisch. Das Malen aber war eine brotlose Kunst, das Aushelfen im väterlichen Betrieb daher "naheliegend", wie Richter sagt.

Bekanntlich kommt es manchmal anders, als man denkt. Nun sitzt Richter in einem Büro in Deutsch-Brodersdorf und sinniert über den Anbau, das Ernten und Verlegen von Rasen. Seine Firma ist mittlerweile zu einem der größten Rollrasen-Anbieter geworden. Auf 300 Hektar wächst in Parndorf und der Slowakei Rasen für Anwendungen vom Eigengarten bis zum Golfgreen.

Der Fußball sorgt für etwa ein Drittel der Umsätze, für Alexander Richter ist er aber von weit höherer Bedeutung. "Durch die Emotionen kommen wir in die Köpfe", sagt er. Sein Stadion-Rasen gilt als Premium-Produkt. Juventus Turin hat ihn, der HSV hat ihn, Rapid hat ihn und für das Champions-League-Finale in Moskau liefert Richter auch das Spielfeld.

Es ist nicht zu übersehen, dass der Wiener mit Leidenschaft bei der Sache ist. "Ich bin ein Naturrasenfundi", sagt er. Der gelernte Greenkeeper beschäftigt sich auch intensiv mit der Forschung, er ist auch einer der Direktoren der "International Turfgrass Society" und also auch Lobbyist für Naturrasen.

Diesen siegt Richter nämlich bedroht, zumindest was den Fußball betrifft. Die Fifa fördert Kunstrasenplätze, verdient aber per Lizenzen auch gütlich daran. Ob es irgendwann nur noch Plastikfelder geben wird? "Ich glaube, dass das passieren wird", sagt Richter. Entgegen den gesundheitlichen Bedenken der Ärzte, dem Unwollen der Spieler und den umweltpolitischen Aspekten. "Die chemische Industrie hat den Rückenwind der Fifa", sagt er.

Wirklich vorstellen will sich Richter das aber nicht. Zum Fußball gehöre der Naturrasen, sagt er. Allein des Geruchs wegen. "Als Kind bin ich mit den Eltern auf der Weide mitgefahren, diese Gerüche haben sich tief eingeprägt. Für mich", meint Richter, "muss es Naturrasen sein."